Schulgeschichte

 

 

Aus der Wolfersweiler Schulgeschichte

(Hartmut Meyer)

  

Vorbemerkung:

 

Über lange Jahrhunderte kann in Deutschland nicht von einem systematischen Schulwesen gesprochen werden, insbesondere nicht im ländlichen Raum. Es gab Klosterschulen, Ritterschulen, private Schulen etc.; alle diese Einrichtungen dienten kleinen Gruppen. Erst die Aufklärung wollte allen Bevölkerungsschichten wenigstens ein Minimum an Bildung zugestehen. Insbesondere Martin Luther bewegte vieles. („Bürgermeister, Fürsten und Edelleute können wir entraten, Schulen aber nicht; denn sie müssen die Welt regieren!“)

Für unseren Raum sind am Sitz der jeweiligen Pfarreien Winterschulen nachgewiesen. Sie gehen zurück auf die erste Schulordnung in Pfalz-Zweibrücken von 1538, erlassen von Herzog Wolfgang. Große Wirkungen zeigte diese Ordnung nicht; nur in Birkenfeld existierte 1776 eine ständige Schule. Wolfersweiler als Sitz sowohl der evangelischen als auch der katholischen Pfarrei verfügte über zwei Winterschulen, besucht auch von Kindern der kleineren Orte. 

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ordnete man die Schulverhältnisse langsam: Schulpflicht, Schulgeld wurden eingeführt, Inhalte vorgegeben und gewisse Anforderungen an den Lehrerberuf gestellt. Auch die Besoldung, schlecht genug, wurde einigermaßen geregelt. Der jeweilige Geistliche war als Lokalschulinspektor und Vorsitzender des Schulvorstandes zuständig für die Schule; er  visitierte sie regelmäßig mit dem Schulvorstand. Dieser bestand aus dem Pfarrer als Vorsitzenden, dem Bürgermeister in Nohfelden (er nahm allerdings selten an den Sitzungen teil), dem Schöffen (vergleichbar etwa dem heutigen Ortsvorsteher), einem gewählten Gemeinderatsmitglied, dem ersten Lehrer, bei Fragen des Religionsunterrichts einem Vertreter des Presbyteriums bzw. des Pfarrvorstandes.

 

Die französische Zeit (1794 – 1814) brachte inhaltlich zwar Fortschritte durch freiheitlicheres Denken und damit verbunden neue Lehrpläne. Angeordnet wurde die Trennung der Schule von der Kirche. Allerdings brachte die Neuordnung gewaltige Nachteile. Da die Revolution auf den mündigen Bürger setzte, wurde der Schulbesuch in das Ermessen der Eltern gestellt, was dazu führte, dass insbesondere in den Außendörfern der Schulbesuch stark zurückging. Da die politische Gemeinde jetzt alleine die Unterhaltung der Schule zu tragen hatte, waren Schulhaus, Ausstattung der Schule und Einkommen der Lehrer abhängig von der Finanzlage der Kommune und der Einsicht der kommunalen Vertreter.

 

Mit der Zuweisung des Fürstentums Birkenfeld am 16.04.1817 an das Großherzogtum Oldenburg nahm das Schulwesen in unserem Raum raschen Aufschwung. Insbesondere Großherzog Paul Friedrich August, der ab 1829 regierte, und der hiesige Staatsrat Fischer förderten das Schulwesen durch neue Lehrziele (ein verbindlicher Lehrplan wurde allerdings erst am 10. Januar 1885 eingeführt),  Ausbildung der Lehrer: Birkenfeld bekam ein Lehrerseminar (später wurden Lehrer ausgebildet u.a. in Straßburg, Kaiserslautern), Ordnung der Besoldung der Lehrer (manche Gemeinde unterlief allerdings die Vorschriften und zahlte zu wenig), Vorschriften über Bau und Ausstattung der Schulhäuser u.a.m. so sehr, dass man behaupten kann, ab 1840, als Oldenburg eine neue Landschulordnung einführte, sei das Schulwesen im Raum Birkenfeld mit am besten in ganz Deutschland organisiert gewesen. Jetzt bestanden auch in allen Dörfern der beiden Wolfersweiler Pfarreien ordnungsgemäße Schulen.                         

 

Leider verhinderten einflussreiche Geistliche durch ständige Bedenken und Streitigkeiten  größere Fortschritte. U.a. wandten sie sich massiv gegen Bestrebungen, Simultanschulen anstatt der Konfessionsschulen einzurichten, wie es aus finanziellen Erwägungen Vertreter der Kommunen ab 1840 häufig forderten. (Auch Lehrer hatten sich dieser Auffassung angeschlossen, um so die Aufsicht durch die Pfarrer abzulösen).

Erst 1911 wurden die Gemeinde die alleinigen Schulträger und der Gemeinderat verantwortlich. Der Einfluss der Kirche verringerte sich; der Schulvorstand erhielt nur noch beratende Funktion. Schulaufsicht übten nicht mehr die Pfarrer aus, sondern von der Regierung eingesetzte Kreisschulinspektoren. Die Schulleiter hießen ab jetzt „Hauptlehrer“. Die Schülerzahl wurde auf 70 Kinder je Klasse begrenzt.

 

Schulen in Wolfersweiler: 

Seit 1884 hatten die Schulen Chroniken zu führen. Die folgenden Ausführungen stützen sich auf die Ausführungen in den Schulchroniken der evangelischen und der katholischen Schulen in Wolfersweiler.

 

Katholische Schule:

1720 wurde die katholische Pfarrei wieder errichtet, mit Sicherheit gab es somit wieder eine Winterschule für die katholischen Kinder, betreut von dem Vikar (Kaplan).  Nachgewiesen ist diese Schule im Jahre 1750. 1780 nennt die Chronik bereits einen Lehrer mit Namen Jenny (?) aus Furschweiler. 1794 wurde Lehrer Barthel aus Eckelhausen angestellt; er blieb bis 1838. Sein Nachfolger war Lehrer Steffen aus Weiersbach, der bis 1887, 49 Jahre lang, hier unterrichtete.

Die Schule besuchten, bedingt durch die Konfessionsverteilung, nur wenige Kinder: 1884 wurden 19 Kinder gezählt; 1885 gab es einen einzigen Entlassschüler. (1880 hatte Wolfersweiler 823 Einwohner, davon 120 Katholiken). Die evangelische Schule besuchten zum gleichen Zeitpunkt 115 Kinder.

 

Das erste Schulhaus der katholischen Schule stand an der Ecke der St. Wendeler- / Römerstraße. Es musste dem Bau der katholischen Pfarrkirche weichen. Die Kinder wurden danach im Küsterhause und ab 1853 in einem Raum des Privathauses des Lehrers Steffen in der Römerstraße unterrichtet. („Steffes Haus“ ist nicht mehr vorhanden). Später ersteigerte die Gemeinde das „Karl’ sche Haus“, heute Lorenz, an der Ecke der Park- / Ernst-Heinz-Straße. Dieses Haus war geräumig und bot im oberen Geschoss ausreichend Platz für den Schulsaal.

 

1887 endete die Schule nach dem Tode des Lehrers Steffen, da nach den Oldenburger Schulgesetzen eine Konfession nur Anspruch auf eine eigene Schule hatte, wenn wenigstens 25 Kinder vorhanden waren. Die 13 vorhandenen Kinder wurden der evangelischen Schule zugewiesen. 1920 beantragten Eltern die Einrichtung einer katholischen Konfessionsschule, da die Zahl der katholischen Kinder durch Zuzug gestiegen war. Der Gemeinderat lehnte ab, da die Zahl 25 nicht erreicht war. Allerdings sollte die dritte Lehrkraft katholisch sein. Es kam zuerst Fräulein Kammer, später Lehrer Ganz.                                                                                     Während des „Dritten Reiches“ gab es keine Konfessions-, sondern nur eine Gemeinschaftsschule. Diese blieb bis 1947 bestehen. Am 9. September 1947 ordnete die Regierung die Einrichtung konfessioneller Schulen an. Die katholische Volksschule mit ihren 35 Kindern wurde von Herrn Willi Neuberger als einklassige Schule geführt. Da die evangelische Schule mit 159 Kindern offiziell drei Klassen hatte aber nur zwei Lehrer, unterrichtete Herr Neuberger  noch in der evangelischen Schule.

 

Die Schule wurde bis zu ihrer Auflösung 1967 einklassig geführt, d.h. ein Lehrer unterrichtete die Kinder aller 8 Klassenstufen in einem einzigen Saal.. Erklärbar war dies aus der geringen Kinderzahl: 1952 zusammen 21 Kinder, 1955 noch 14 Kinder und 1957 sogar nur 12. Erst 1960 stieg die Schülerzahl an auf 23 Kinder; 1965 waren es sogar 31. Die Zahl ging dann wieder zurück; bei der Auflösung der Schule 1967 zählte man 18 Kinder.

 

 

Nach dem Krieg unterrichteten folgende Lehrer an dieser Schule:

1946/47: Lehrer Willi Neuberger, er ging nach Oberwürzbach,

1947/52: Lehrer Felix Eckstein aus Marpingen; er ging auf eigenen Wunsch nach Marpingen,

1952 kurzzeitig Lehrer Hans-Otto Beyer aus Ottweiler; versetzt in den Raum Schiffweiler,

01.01.1953 – 01.07.63 Hauptlehrer Bernhard Simon; versetzt auf eigenen Antrag nach Bietzen,

September/Oktober 1963: Lehrerin Ellen Maurer,

1.11.63 – 31.12.1964: Lehrer Albert; versetzt nach Oberkirchen,

01.01.1965 bis zur Schließung der Schule im Oktober 1967: Hauptlehrer Paul Trautmann.

 

Die Schule litt häufig unter den räumlichen Bedingungen. Sie war nach dem Kriege anfangs im alten Schulhaus in der Buttergasse untergebracht (heute Haus Erwin Schmidt). Das 1846 nach damals vorbildlichen Schulhausnormen erbaute Haus zeigte sich in schlechtem Zustand, ebenso das Mobiliar und der Schulhof. Dürftige Lehr- und Lernmittel unterstützten kaum den Unterricht.

Nachdem der heutige Mittelteil der Schule in der Parkstraße mit seinen zwei Klassensälen und Nebenräumen im Dezember 1954 fertiggestellt war, bezog die katholische Schule einen der neuen Säle. Sie erhielt auch 1955 neues Mobiliar.

 

1958 entstanden durch die Einrichtung einer zentralen Abschlussklasse als 9. Schuljahr an der evangelischen Volksschule wiederum Raumprobleme; es fehlten jetzt sogar zwei Schulsäle. Nach reichlich unerfreulichen Auseinandersetzungen, die zu Streitigkeiten zwischen den Konfessionen führten, zog die einklassige katholische Schule wiederum in das alte Schulhaus in der Buttergasse.

 

Die ungünstigen Verhältnisse änderten sich mit Fertigstellung des Anbaues an der Schule in der Parkstraße mit vier Klassensälen und Nebenräumen wie Küche, Werkraum, Lehrerzimmer, Rektorzimmer und Kartenzimmer. Die katholische Schule bezog im Mai 1962 einen der Säle im Zwischenbau. Sie erhielt einen Nebenraum, der durch einen Durchbruch mit dem Saal verbunden war. So konnte der Unterricht durch Gruppenbildung erleichtert werden.

 

Das bisher von der katholischen Volksschule genutzte Schulhaus in der Buttergasse mietete der Landkreis St. Wendel an und richtete eine „Hilfsschule“ ein (heute: Schule für Lernbehinderte in Mosberg – Richweiler). Als Lehrer und Schulleiter kam Herr Friedel Läpple, der spätere Minister des Innern des Saarlandes, nach Wolfersweiler.

 

Evangelische Schule:

 

Nach Einführung der Reformation in unserem Raume entstanden erste evangelische Winterschulen an den Pfarrorten. Luther und auch Melanchthon wollten, dass auch der „gemeine Mann“ seinen Anteil an der Bildung erwerben könne. Herzog Wolfgang von Pfalz – Zweibrücken ordnete 1558 an, in allen größeren Dörfern Schulen einzurichten. Die Nachrichten über die eingerichteten Schulen, insbesondere die „Winterschulen“, sind dürftig. Eine Auflistung von „gemeinen“ (niederen) Schulen des Herzogtums Pfalz Zweibrücken bereits vor der vorgenannten herzoglichen Verfügung nennt neben Orten wie Hornbach, Alsenz, Kusel, Baumholder auch Wolfersweiler  mit der Jahresangabe 1553.  Wolfersweiler hat somit eine lange Schulgeschichte, was auch die frühere Bedeutung des Ortes belegt.                                                           Genauere Aufzeichnungen über Schule und Unterricht gibt es allerdings erst ab 1740. Seither sind die ersten Lehrer bzw. Schulleiter lückenlos bekannt. Auch die Lerninhalte und die Anforderungen sind überliefert. Ein Zeugnis belegt dies:                                                                                                                                  

 

 

Achtung! Hier das Zeugnis einfügen!

 

Die Schule umfasste bis 1842 nur eine Klasse mit über einhundert Kindern, ab 1842 wurden zwei Klassen geführt mit jeweils über 60 Kindern. 1896 verzeichnet die Chronik schon 160 Kinder (1. Klasse 73, 2. Klasse 87 Kinder).                                                                           Eine dritte Klasse wurde 1912 genehmigt, aber vorerst kein Lehrer eingestellt, da  zu diesem Zeitpunkt nur weibliche Lehrkräfte frei waren. Der Gemeinderat wollte aber keine Lehrerin. Daher entstand erst 1913 die dritte Klasse; Klassenlehrerin wurde Fräulein Hahn aus Birkenfeld.                                                                                                                                     Sehr hoch war im 19. Jahrhundert die Kindersterblichkeit. Lehrer Heinz notiert für 1895 die Sterbefälle: 10 Erwachsene, 12 Kinder. (Ursachen u.a.: Scharlach, Diphterie, Lungenentzündung, Nierenleiden, auch Typhus).                                                                                                              Etliche Schüler verlor die Schule durch Auswanderung. So zog z.B. 1897 eine Familie Wernig mit ihren 6 Kindern nach Amerika.

 

Schulleiter:

 

Die Chronik nennt folgende Namen, wobei die Bezeichnungen zu verschiedenen Zeiten verschieden sind: Erster Lehrer, Hauptlehrer, Rektor:

 

Vor 1584: Mathias Frossius (in diesem Jahre in Baumholder erwähnt als von Wolfersweiler kommend),

1590 – 1602: Johann Neuberger aus Neuwied,

Danach folgte eine Zeit der Wirren – man denke an den 30-jährigen Krieg -, aus der kaum Überlieferungen erhalten sind.

1625 nennt eine Kirchenvisitationsakte einen Schuldiener Johannes Linn,

1655 – 1658: Johannes Werner aus Hornbach (Schon sein Vater sei hier Lehrer gewesen),

1740: Schuldiener und Küster Johann Peter Decker (Er lebte in ständigem Streit mit dem Pfarrer Daniel Theiß um die Nutzung des Grases auf dem Friedhof. Erhalten ist ein von ihm erstelltes Verzeichnis der Schulkinder von 1762),

1776: Schuldiener und Küster Neuberger aus Biesterschied (dorthin ging J.P. Decker),

1794 – 1795: Schuldiener und Küster Schwarz (Er soll von den Bauern „zu Tode gesungen            worden sein“),

1795 – 1841: Daniel Sauerwein aus Deßloch bei Meisenheim,

1841 –  1880: Wilhelm Sauerwein, Sohn des Daniel, vorher zweiter Lehrer hier. Er war der erste am Lehrerseminar in Birkenfeld ausgebildete Lehrer in unserem Ort.

1880 – 1896: Lehrer Th. Spohn (im Dienst verstorben am 25.04.1896),

1896 –  1931: Lehrer Ernst Heinz, vorher ab 1884 zweiter Lehrer hier.

 

Als große Besonderheit sei noch erwähnt, dass von 1880 bis 1884 erstmals eine weibliche Lehrkraft als zweite Lehrerin an der Schule arbeitete: Fräulein Clara Brill. Sie wechselte nach Oberstein..

 

Ab 1931 zeigt die Chronik keine Eintragungen. Angeblich wurden Akten, Inventar und Lehrerbücherei bei Kriegsende „durch die Dorfjugend geplündert“.                                         

Erst nach dem Kriege ist die Chronik wieder geführt. Die ersten Jahre waren geprägt von Lehrermangel und häufigem Lehrerwechsel. Für rund 190 Kinder waren meist nur zwei Lehrkräfte vorhanden, die z.T. noch an anderen Orten unterrichten mussten, so Hauptlehrer Herz auch in Gimbweiler.  Durch fehlendes Brennmaterial fiel, wie schon nach dem I. Weltkrieg, mancher Unterricht aus. 1947 verlegte die Regierung den Schuljahreswechsel von Ostern auf die Sommerferien. Im gleichen Jahre führte das Land Französisch als Pflichtunterricht ab dem zweiten Schuljahr ein. 1957 wurde er nur noch fakultativ auf freiwilliger Basis erteilt; in Wolfersweiler entschied sich kein Schüler für den Französisch – Unterricht.                          

 

Es leiteten die Schule nach dem Kriege (ab 1967 als Gemeinschaftsschule):

 

1945 –  1948      Hauptlehrer Ludwig Herz  (verstorben 28.10.1948).

1948 – 1949:     Lehrer Georg Friedrich Herrmann Fritzsche

1949 – 1959:     Hauptlehrer Emil Lehmann

1959 – 1985:     Rektor Otto Müller

1985 –  1999      Rektor Klaus Keller

1999 –  heute.    Rektor Lothar Klees

 

1958 führte das Saarland an zentral gelegenen Schulen die Volksschulabschlussklasse ein, die sich zum echten 9. Schuljahr entwickelte. In Wolfersweiler wurden zwei 9. Klassen eingerichtet, die besucht wurden von Mädchen und Jungen aus Asweiler, Eitzweiler, Hirstein, Mosberg-Richweiler, Nohfelden, Gimbweiler und Wolfersweiler selbst. 

 

Nach der Verfassungsänderung 1967 wurden die konfessionellen Schulen aufgehoben und somit in Wolfersweiler die beiden Schulen zusammengeführt. 1970 entstand die „Hauptschule im Aufbau“  Türkismühle, der die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 zugewiesen wurden. Nach Fertigstellung des Schulgebäudes in Türkismühle gingen auch die Kinder der Klassen 5 und 6 dorthin; die Wolfersweiler Schule ist seither reine Grundschule. Seit der Gebietsreform 1974 besuchen sie die Kinder aus Wolfersweiler selbst, aus Nohfelden, Mosberg-Richweiler und Walhausen.

 

Seit etwa 1841 gab es auch Handarbeitsunterricht für Mädchen an einem Nachmittag der Woche, damals „Industrieschule“ genannt. Es ging um Stricken, Flicken, Weißnähen, Stopfen von Strümpfen, Spinnen und Häkeln. Erteilt wurde er von Frauen, die an mehreren Schulen unterrichteten, z.T. waren es Witwen von Lehrern; u.a. wird 1860 die Witwe des Lehrers Geiß und 1889 eine Frau Schmitz aus Nohfelden aufgeführt.(Eine ähnliche Regelung gab es bis etwa 1960; häufig wegen der Kosten umstritten).  1863 beschloss der Gemeinderat, aus der Gemeindekasse einen Betrag zum Gehalt der Lehrerin zuzuschießen, „um es selbst den Armen zu ermöglichen, die Industrieschule zu ihrem Nutzen zu besuchen“. (Von 31 Mädchen, die den Unterricht besuchten, galten 12 als arm). Der Betrag wurde aus den sogenannten „Weinkaufkreuzern“ gezahlt.

 

Wie arm viele Familien waren, geht aus einem Eintrag vom April 1855 hervor: „Einige Schüler hatten des Bettelns wegen sehr oft die Schule versäumt, so dass die Eltern Strafe verdienen und das Großherzogliche Amt um Vollziehung derselben gebeten werden soll“. Das allgemeine Schulgeld wurde für die armen Kinder seit 1843 von der Kasse des „Spezial – Armen – Districts“ übernommen.

 

 

 

 

 

Schulhäuser:

 

Bekannt sind folgende Gebäude:

1834 erbaut: heutiges Haus Zipf in der Parkstraße, lange das Haus der ersten Klasse, (Es lag im Eigentum der Kirchengemeinde). 1929 erwarb der Friseurmeister Hermann Kohl das Haus; die Scheune kaufte der Limonadenfabrikant Arthur Herz.

 

1846 erbaut: heutiges Haus Erwin Schmidt in der Buttergasse, lange genutzt für die zweite Klasse (vgl. weiter: katholische Schule).

 

Der ehemalige Bürgermeister Emil R. Köhler schreibt in seinen Lebenserinnerungen über den Zustand dieser Schulhäuser um 1900: „Die Schulhäuser genügten den bescheidensten Anforderungen nicht. Sie entsprachen besonders den Anforderungen der allgemeinen Hygiene nicht, insbesondere fehlten ordnungsgemäße Aborte. Derjenige im ersten Schulhaus, das gleichzeitig Küsterhaus war, bestand nur aus zwei Abteilen, die die Kinder aus dem Schulsaal direkt beschritten, während ein Pissoir gar nicht vorhanden war und die größeren Schüler und Schülerinnen daher ihr Bedürfnis auf der Straße oder hinter dem Haus im Freien befriedigen mussten…….Außerdem hatte der Lehrer und Küster nur zwei Wohnräume: ein Zimmer unten, das Wohnzimmer, in dessen Alkoven er schlief, und ein kleines Zimmer im zweiten Stockwerk. Die Betten der Kinder standen auf dem Speicher“.

Lehrer Heinz vermerkt 1904, dass bei einem starken Regen „die oberen Kammern und die Küche mit Kamin geschwommen“ hätten.

 

1912 wurde das noch heute genutzte Schulhaus in der Parkstraße mit zwei Sälen und zwei Lehrerdienstwohnungen erbaut. Früher lag hier der „Turnplatz“ der Kinder. Beantragt war der Bau im März 1909 wegen der hohen Schülerzahl. Die Erdarbeiten begannen am 5. April 1910.

 

Seit dieser Zeit gab es auch einen „Schulsportplatz“ rechts der Kuseler-Straße (heute Häuser Welsch, Fries, Helm). Eingeweiht wurde das Gebäude am 9. November 1912. Am 4. April 1914 besichtigte der Großherzog das Schulhaus, sogar den Speicher, „wo ihm die Durchsichtigkeit des Daches auffiel“.

 

1954 errichtete die Gemeinde einen Anbau mit zwei Sälen an das bestehende vorgenannte Schulhaus, nachdem vorher lange geplant war, einen Saal am Schulhaus in der Buttergasse anzubauen. Wegen Raumnot benutzte die Schule von 1959 bis 1962 zusätzlich den damaligen „Küstersaal“ an der Stelle des heutigen evangelischen Gemeindehauses, wie schon 1947/48 und auch bereits 1842 bis zum Bau in der Buttergasse 1846. Die lange bestehende Raumnot führte zu „Schichtunterricht“, d.h. eine Klasse benutzt vormittags den Saal, die andere nachmittags.

 

1962 erfolgt der Anbau weiterer vier Säle mit Küche, Werkraum, Lehrerzimmer, Rektorzimmer, Kartenzimmer und neuen Toiletten an das Schulhaus in der Parkstraße.

1968 entstand der Neubau der Turnhalle neben der Schule.

 

Ferien gab es im 19. Jahrhundert auch. Sie waren allerdings kürzer als heute und richteten sich nach Feiertagen und Erntezeiten. So gab es an Ostern 12 freie Tage, zur Heu-Ernte (Sommerferien) ebenfalls 12 freie Tage, zur Grummet – Ernte 6 Tage, zur Kartoffel – Ernte wieder 12 Tage und sechs weitere freie Tage an Weihnachten. Die genauen Daten legte der Schulvorstand fest entsprechend den Bedürfnissen der Landwirtschaft.

 

Fröhliche Tage für Lehrer und Kinder waren der Geburtstag des Großherzogs, der Sedanstag (Sieg über Frankreich 1871) und die jährlichen „Spaziergänge“ (Wandertage). Solche „Spaziergänge“ führten u.a. auf den Weißelberg, auf den Schaumberg oder auch nach Abenteuer! – natürlich zu Fuß hin und zurück. Am Sedanstag erhielt jedes Schulkind eine Brezel auf Kosten der Gemeinde.

 

Schulfrei gewährte der Schulvorstand auch bei den regelmäßigen Manövern, die auf hiesigem Bann stattfanden, so 1891 zwei schulfreie Tage wegen des großen Manövers, bei dem in Wolfersweiler über 500 Soldaten einquartiert waren.

 

1842 gründete sich in Wolfersweiler auf Weisung der Regierung eine „Schullehrer Lesegesellschaft“ . Sie diente der Fortbildung und musste von den Pfarrern und allen Lehrern beider Konfessionen der beiden Wolfersweiler Pfarreien besucht werden. Zeitschriften und Bücher wurden bestellt und zirkulierten bei den Pfarren und Lehrern. Ihre Inhalte, die Weisungen der Regierung und pädagogische Fragen diskutierte man  in regelmäßigen Versammlungen. Bei diesen Zusammenkünften hielt auch jeweils eine Person in alphabetischer Reihenfolge eine Unterrichtsstunde. Die erste Stunde hielt der evangelische, die zweite der katholische Pfarrer.

 

Einkommen der Lehrer:

 

In früheren Jahren lag das Einkommen der Lehrer tief. Auch waren die Unterschiede zwischen dem „1. Lehrer“ und dem „2. Lehrer“ sehr hoch, da mit der ersten Lehrerstelle das Küsteramt gekoppelt war. Von einigermaßen geordneten Verhältnissen kann erst ab etwa 1840 gesprochen werden. Davor waren die Lehrer sehr arm und darauf angewiesen, in einem Handwerk etwas zu verdienen. Insbesondere gab es keine Versorgung bei Krankheit oder Todesfall. Erst seit 1844 gab es durch die Stiftung der Großherzogin Cäcilie kleine Beträge für

die Witwen und Waisen der Lehrer.                                                                                    

 

Lehrer Spohn gibt 1884 folgendes an:

Erster Lehrer: 1.000 Mark jährlich, zusätzlich als Küster jährlich 900 Mark.

Zweiter Lehrer: 800 Mark jährlich. (Damit konnte er kaum existieren).

Beide hatten dazu die Nutzung einer Wohnung, Gartenanteile, Zuweisungen an Holz.

Der Schulvorstand konnte bei zufriedenstellenden Leistungen der Lehrer Zulagen bewilligen u.z. jeweils nach 5 Jahren 75 Mark jährlich.

 

Erst 1897 wurde durch Beschluss des Landtages die Entlohnung der Lehrer deutlich verbessert, wobei das Eingangsgehalt mit seinen 800 Mark im Jahr immer noch sehr bescheiden war. (Zum Vergleich: 1 Zentner Kartoffeln kostete 1,80 Mark, 1 Kilogramm Rindfleisch 1,60 Mark).

 

 

 

 

Lehr- und Lernmittel:

 

1861 nennt die Schulchronik:

für die Hand der Kinder:

–          Biblische Geschichte von Prauß

–          Gesangbuch nach Beschlüssen der Synode Jülich, Cleve, Berg, Grafschaft Mark,

–          Lesebuch von Haesters und Richter

–          Rechenbuch von Haesters und Böhm

–          Katechismus für Rheinhessen und umliegende Gebiete

 

Im Schulsaal sind vorhanden:

–          ein Globus

–          folgende Landkarten:

Fürstentum Birkenfeld, Deutschland, Europa, Erdteile, Palästina, Missionsreisen

–          Handbuch für Geographie von Daniel

–          eine Geige

Die Lehrerbibliothek enthielt:

–          eine Singschule von Mainzer

–          Schlez’s Handbuch für Psychologie, Naturgeschichte, Geographie, Naturlehre

–          Diesterwegs Handbuch zur Sprache und zum Rechnen

–          Krauses Denkübungen

–          Baumgartners Vorlegeblätter zu Sprach- und Stil-Übungen

–          Schlipfs Landwirtschaft

–          Vorlagen und Anweisung zum Linearzeichnen von Lamotte

–          Diesterwegs Formen-, Größen- und Combinationslehre

–          Leitfaden zu einer neuen Maß- und Gewichtsordnung

–          zwei Tabellen über Maße, Gewichte und Abkürzungen

–          Anleitung zum Anfertigen von Briefadressen

–          ein Exemplar der Landschulordnung von 1840

 

Prüfungen:

Bis 1911 hielt der Schulvorstand jährlich zum Schuljahresende an Ostern eine Prüfung ab; in der ersten Klasse (Jahrgänge 5 – 8) von 7.30 Uhr bis 12.00 Uhr, in der zweiten Klasse (Jahrgänge 1 – 4) von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Alle 5 Jahre erfolgte eine gründliche Revision durch Regierungsvertreter. Geprüft wurde:

Choralsingen, Katechismus, Kirchenlieder, biblische Geschichte, Lesen, Vortrag von Gedichten, Grammatik, Aufschreiben einer vorgelesenen Erzählung (in der ersten Klasse: Beschreiben des Schulsaals), Rechnen, Realien: Geographie, Geschichte, Naturgeschichte, Naturlehre.

Im Anschluss an die Prüfung wurde der Lehrer nach seinen persönlichen Umständen befragt und er hatte Gelegenheit, Anregungen und Wünsche zu äußern.                                         

Der Schulvorstand entschied aufgrund des Prüfungsergebnisses auch, ob alle Kinder entlassen werden. In einem Falle ist belegt, dass einem Schüler die Entlassung verweigert wurde. Er musste erst noch ausreichende Kenntnisse in Religion nachweisen. Ebenso entschied der Schulvorstand, ob dem Lehrer die oben erwähnte Zulage zu gewähren sei. In einem Falle entschied er dagegen, da die Schüler nach seiner Auffassung im Rechnen nicht ausreichend gefördert waren. (Dieser Lehrer quittierte kurz darauf den Dienst).

Für ihre Anstrengungen erhielten die Kinder nach der Prüfung einen Weck.

Prüfungen gab es auch wieder nach dem II. Weltkrieg bis 1954, allerdings in anderer Form. Sie fanden übrigens für den ganzen Raum zentral in Wolfersweiler statt. Im letzten Jahre wurden wieder Prüfungen für die Klassen 9 und 10 eingeführt.

Die Schulkinder waren in früheren Zeiten, wie auch die Prüfungsaufgaben zeigen, stark belastet. Unterrichtet wurde an sechs Tagen die Woche, davon an vier Tagen auch nachmittags. An einem der schulfreien Nachmittage lag der kirchliche Unterricht. Zusätzlich mussten die Kinder in der Regel zu Hause kräftig anpacken im Haushalt, der Landwirtschaft usw. Daneben gab es echte Kinderarbeit, wie wir sie heute nur noch aus Entwicklungsländern kennen. Eine am 15.11.1904 auf Anordnung der  Reichsregierung durchgeführte Erhebung über entlohnte Arbeit (Lohn auch in Naturalien) ergab für Wolfersweiler: in der Hauswirtschaft (Kindermädchen): 3 Kinder;  in der Land- und Forstwirtschaft: 25 Kinder.

 

Manche Kinder konnten bis in unsere Zeit schulisch nicht betreut werden. Körperlich oder geistig behinderte Kinder besuchten die Schule nicht; ein taubstummer Junge erwarb Fähigkeiten und Fertigkeiten in sechs Jahren in der Taubstummen-Anstalt Neuwied. Waisenkinder, die keine nahen Verwandten hatten, kamen in die Röchling’schen Anstalten (Waisenhaus) in Saarbrücken -Brebach.

 

Noch im Schuljahr 2003/2004 zeigte sich die Schule in Wolfersweiler als reine Grundschule in gutem Zustand. Unterrichtet wurden rund 160 Kinder aus Wolfersweiler, Nohfelden, Mosberg – Richweiler und Walhausen  in 8 Klassen und einem Schulkindergarten von 9 Lehrer/innen.

Leider ging die Schülerzahl weiter zurück. Da 2005 die Landtagsmehrheit im  Schulordnungsgesetz festschrieb, dass nur solche Schulen erhalten bleiben, die auf jeder Klassenstufe mindestens zwei Klassen einrichten, was auf Wolfersweiler nicht mehr zutraf,  wurde die hiesige Schule zum Schuljahresbeginn 2005/2006 geschlossen. Damit geht eine mehrere Jahrhunderte dauernde erfolgreiche Schulgeschichte zu Ende. Kriege und Armut hat die Schule überdauert, die demographischen Veränderungen des 21. Jahrhunderts und die geänderten schulpolitischen Auffassungen brachten ihr Ende. Der Ort erleidet einen einschneidenden kulturellen Verlust.

 

Achtung! Hier das Bild des Schulhauses einfügen! Unterschrift:

 

Das Schulhaus verliert jetzt seine Bedeutung. Fast 500 Jahre Wolfersweiler Schulgeschichte gehen zu Ende. Der Bildungsstandort zahlreicher Generationen erlischt 2005.

 

 

Schlussbemerkung:

Vielerorts wird über unsere heutigen Kinder geklagt: verwöhnt, unruhig, vorlaut usw.

Sind diese heutigen Kinder wirklich schwieriger als die früherer Zeiten? Manche Medienberichte und Klagen der Lehrer/innen lassen es vermuten. Ob es stimmt? Das Protokoll über die Prüfung vom 3. April 1866 hält fest: „Am Schlusse des Examens wurden von den erschienenen Vorstandsmitgliedern verschiedene Klagen in betreff des Betragens der Schüler außerhalb der Schule, z.B. Unhöflichkeit gegen Fremde, unbescheidenes Wesen im Verkehr mit Erwachsenen und endlich tadelhaftes Verhalten gelegentlich Leichenbegängnissen, vorgetragen und darauf vom Vorsitzenden eine eingehende Ermahnung an die Schüler gerichtet, sowie schließlich eine Warnung gegen das Ausheben der Vogelnester  etc. erlassen mit dem Anfügen, dass sämtliche Schulvorstandsmitglieder strenge Aufsicht führen und die geeigneten Maßregeln gegen solche Klagepunkte richten würden“.  (Damals wusste man, dass erst die Erwachsenen tätig werden müssen).

Auch anderes Verhalten wird beklagt. Am 13. Dezember 1842 schreibt die Großherzoglich Oldenburgische Schulkommission an die Schulen:

„Es ist von verschiedenen Seiten die Bemerkung gemacht worden, dass nicht nur einzelne Schullehrer während der Unterrichtszeit die Märkte ohne irgendein bestimmtes Geschäft besuchen und sich auf unschickliche Weise mit der Tabakspfeife umhertreiben, sondern auch Schulkinder ohne irgend Begleitung von Erwachsenen in die Wirtshäuser und Zelte gehen, oder sich wohl gar geistige Getränke verabfolgen lassen……….ist dies unstreitig ein für die Moralität höchst verderblicher Unfug“. Allen Unbotmäßigen wird strenge Strafe angedroht.

 

 

 

 

 

 

 

Benutzte Quellen:

 

–          Schul – Chronik der evangelischen Schule Wolfersweiler

–          Schul – Chronik der katholischen Schule Wolfersweiler

–          Dr. Dieter Bach: Volksschule im Fürstentum Birkenfeld zur Oldenburger Zeit, herausgegeben als Sonderheft in der Schriftenreihe des Vereins für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld 1972

–          Emil R. Köhler: Lebenserinnerungen, herausgegeben vom Verein für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld 1975

–          Daniel Hinkelmann: Wolfersweiler als reformierte Hauptschule (Aufsatz in: „50 Jahre  Raiffeisenbank Obere Nahe“), herausgegeben von der Raiffeisenbank Obere Nahe 1975

–          „Von der Reformation der Pfarrei Wolfersweiler im 16. Jahrhundert“, Vortrag von Alfred Hans Kuby, Enkenbach, in „Um Reformation und Union“, herausgegeben vom Kirchenkreis Birkenfeld 1978

–          Protokollbuch des Schulvorstandes 1841 – 1870 (Evangelische Kirchengemeinde)

–          Hugo Klar: Aufsätze zur Heimatkunde des Landkreises Birkenfeld, herausgegeben vom Verein für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld

–          Klaus Zimmer: Chronik des mittleren Ostertales, Band 1, herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Ostertal e.V. 1990