Laurentius – Mühle

Die Laurentiusmühle in Wolfersweiler vom Jahre 1744 von Albert Reitenbach, Kirschweiler

Die Laurentius-Mühle, im Volksmund „Lorenze-Mühl“   genannt, liegt, überschattet von hohen Erlen und alten Obstbäumen, als erstes   Haus von Wolfersweiler unterhalb der Böschung der Landstraße, die von Nohfelden   herkommt. Diese hieß in vergangenen Zeiten „Lichtenberger Straße“, weil auf ihr   der Verkehr von der Bergfeste Lichtenberg der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken   vorbeiströmte zu ihrer Burg und der Kupferhütte in Nohfelden und zu ihren   Besitzungen bis zum Achtelsbacher Hochwald. In Nohfelden aber nennt man die   Straße heute noch „Kirrweg“, d. h. Kirchweg, und drückt damit eine noch ältere   Bedeutung aus, die sie für den Ort hatte, als er noch keine eigene Kirche besaß,   die dann um das Jahr 1440 erbaut wurde. Heute ist aber die Straße noch   „Kirchweg“ für den katholischen Bevölkerungsteil der Gemeinde zum Gotteshaus in   Wolfersweiler. Sie geht diesen Weg zur sonntäglichen Andacht, wie sie einst, vor   430 Jahren, vor der Zeit der Glaubensspaltung, die Bevölkerung zahlreicher   umliegender Ortschaften in die jetzt evangelische Kirche in Wolfersweiler   führte.

Das Kirchspielsdorf Wolfersweiler besaß jedoch ein   wesentlich älteres Gotteshaus auf der Anhöhe, die sich der Laurentius-Mühle   gegenüber, jenseits der Straße erhebt. In ihm hatte der heilige Laurentius eine   besondere Verehrungsstätte, an dessen Gedenktag, dem 10. August, heute noch der   uralte und weitbekannte Laurentiusmarkt auf dem Gelände unterhalb der längst   versunkenen Gnadenstätte abgehalten wird. Die Verehrung dieses Schutzpatrons,   der die Gläubigen vergangener Jahrhunderte vor Feuer, Brandwunden und „Rotlauf“   behütete, „weist auf alte Römerorte mit früher christlicher Missionierung hin“.   An ihm waren in früheren Zeiten große Pferdemärkte beliebt.

Die Laurentius-Mühle jedoch, die durch ihren Namen   und das Marktgetriebe vor der Tür mit jener früheren Kirche in althergebrachter,   enger Verbundenheit zu stehen scheint, wurde erst im Jahre 1722 erbaut. Die   Entstehung und die Beschreibung der Gebäulichkeiten ist in der   „Mühlenbeschreibung des ehemaligen Amtes Nohfelden“ erhalten geblieben, die der   Amtskeller E. F. Hautt am 31. Oktober 1744 verfaßte, „nachdem die Hochfürstliche   Rentkammer den Zustand sämtlicher Herrschaftlichen Mühlen und aller dahin   einschlagenden Wassergebäude zu wissen verlanget“.

Von ihr heißt es darin: „An der Freis liegt die   sogenannte Laurentii-Mühle unter Wolfersweiler, also, weilen sie an dem Platz   liegt, wo auf Laurentitag jährlich Markt gehalten wird, genannt, hat   Jakob

Theobald 1722 in Ansehen, daß die Gemeinde   Wolfersweiler noch nicht gebannet gewesen, erbauet, auch hernach die   Junckerischen oder Verwaltungs-Leibeigenen zu Eizweiler und Asweiler als   Banngäste übernommen. Sowohl die Mühle und Wassergebäude sind in einem guten   Stande, führet drei oberschlächtige Räder, inklusive des Schälganges, aber   keinen Drilles, noch besondere Kasten, ölkoben usw. Das eine Rad ist   neuneinhalb, das zweite acht und das dritte sieben Schuh hoch. Sie kann bei   kleinen Wassern und Sommerszeit nur auf einem Gang, bei großem Wasser wegen der   zurück unter die Räder tretenden Wassern nicht mahlen, doch ist diese   Verhinderung nur auf eine kurze Zeit. Sie fasset das Wasser mittelst eines   Faschinen-Wehrs in der Freis und etlicher übereinander gelegter Balken und   Bretter, und muß solches 760 Schritt durch den oberen Graben auf die Mühle   führen. Der untere Graben ist aber nur 44 Schritt lang. Die Mühle war anfänglich   nur als eine Hausmühle erbauet, danach aber, wie oben gemeldet, zur Bannmühle   gemacht, mithin mit einem Gang vermehrt, und letztlich noch dazu ein Schälgang   angelegt worden.

Die erste „Pacht“ bei Neuerbauung der Mühle waren   5 Malter Frucht, halb Korn und halb Hafer nebst zwei Kapaunen. Wegen den   Junckerischen Hintersaßen zu Eiz- und zu Asweiler, so als Banngäste dazugetan,   ist solcher, soviel die Frucht anlangt, gedoppelt worden, gibt also dermalen:   Korn = 5 Malter, Hafer = 5 Malter, und statt 2 Kapaunen = 8 in hiesige   Kellerei.

Sodann soll diese Mühle, nach meinem untertänigen   Bericht vom 25. Januar, von den 8 Maltern halb Korn und halb Hafer, die die   Wolfersweiler Einwohner in dieselbe gebannet sein sollen, 3 Malter halb Korn und   halb Hafer gegen Michel Küntzer, den Wolfersweiler Müller,   übernehmen.

Zu dieser Mühle sind gebannet seit dem Jahre 1725   die Verwaltungs-Leibeigenen zu Eizweiler, derer mit dem dortigen Hausmüller zehn   sind, sodann die drei dergleichen Leibeigenen zu Asweiler. Sodann stehet diese   Mühle und diejenige in Wolfersweiler mit Hochfürstlicher Rentkammer, daß die   Einwohner zu Wolfersweiler, die dermalen inklusive der gefreiten Personen und   exklusive Schützen und Hirten 50 sind, in diese beiden Mühlen gebannt sein   sollen, in accom-modement.

Weil aber nunmehr alle Untertanen gebannt sind, so   können keine mehr zu dieser Mühle gebannt werden, gleichwie man nicht gestattet,   daß hiesigen Amts Untertanen außer Landes mahlen, also wird auch Fremden nicht   gestattet, in hiesigen Amts Mühlen zu fahren…“

„Jonas Strack ist seit dem Jahre 1738 der   dermalige Erbbeständer und hat einen Erbbestand vom 18. Juni 1738 in Händen, und   genießet nach demselben § 8 die Fronfreiheit, weil er sich bloß mit seinem   Mahlwerk ernähret, sonsten aber keine Nutznießungen hat, außer daß er, gleich   anderen Müllern, in seinem Mühlgraben, wann er ihn ablaufen lassen muß, zu   fischen berechtigt ist.

Die Mühle, Scheune und Stallungen samt dem hier   beschriebenen Hofgering und Garten, die ihm von der Gemeinde Wolfersweiler   verkauft wurden, sind: die Laurentii-Mühle unter Wolfersweiler, stößt mit dem   obersten Ende an den Nohfelder Weg und mit dem untersten zu der Freis, und ist   an jedem Ende fünf Ruten breit, einerseits oben Gemeinde Wolfersweiler Land und   der Mühlenteich, andrerseits unten zum Laurentii-Markt noch Gemeindeland, und an   jedem Ende fünf Ruten lang, umfaßt an Morgen-Maßung einen Viertel Morgen oder 25   Quadratruten.

Der Mahllohn beträgt das 16. Teil der Frucht und   sonst keinen Lohn.

Die Mühle führt Odenbacher, Fockenrecher,   Hirsteiner und Guidesweiler Steine, und dauert ein jeder nach seiner Güte, und   je nachdem er stark oder wenig, lang oder kurz gebraucht wird. Die jetzigen   können noch fünf Jahre laufen“.


Quelle:
l) Mühlenbeschreibung des Amtes Nohfelden, 1744.   Staatsarchiv Speyer, Zweibrücker Akten I Nr. 295.

2) Geschichtliche Heimatkunde der Birkenfelder   Landschaft von Dr. H. Baldes, Birkenfeld 1923.