Kirchengeschichte

Kleiner Bilderbogen aus der Geschichte der Kirche in Wolfersweiler seit der Reformation

 

a) 1517 – 1617 Das Zeitalter der Reformation

b) 1618 – 1648  Der 30jährige Krieg

c) 1649 – 1788  Vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution

d) 1789 – 1815  Die Französische Revolution

e) 1816 – 1918  Vom Wiener Kongress bis zum ersten Weltkrieg

f)  1919 – 1945  Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus

g) 1945 – heute  Die neue Zeit

 

a) Das Zeitalter der Reformation

 

Mit den übrigens geschichtlich nicht verbürgten Hammerschlägen Luthers, mit denen er im Jahre 1517 seine 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, beginnt nach allgemeinem Verständnis das Zeitalter der Reformation.   

Zu dieser Zeit stand Wolfersweiler unter der Herrschaft der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken, was für die kirchliche Entwicklung unseres Dorfes von außerordentlicher Bedeutung war. Die Pfalz – Zweibrücker hatten gegen Ende des 15. Jahrhunderts das Hochgericht Wolfersweiler  durch Heirat der letzten Tochter des ausgestorbenen Hauses der Veldenzer Grafen erhalten. (Einer dieser Veldenzer Grafen trug  nach einer Tholeyer Urkunde sogar den Titel „Heinrich von Wolfersweiler“).

Zum Kirchspiel, heute würde man sagen zur Kirchengemeinde, Wolfersweiler  gehörten damals die Orte Freisen, Eitzweiler, Liser (verschollen), Laudesweiler (ehemals an der Mündung des Hombaches in den Freisbach gelegen, heute zu Eitzweiler), Nohfelden, Richweiler Thal,  Auer (verschollen), Wolfersweiler, Stegen (zwischen Asweiler und Wolfersweiler in der Nähe des Fischteichs des Angelsportvereins Asweiler gelegen und im 30 jährigen Krieg zerstört), Answeiler (Asweiler), Gimbweiler, Hirstein, Gehweiler, Steinberg, Wallenhausen (Walhausen), Laudesweiler uf der Heck (Leitzweiler) und Hahnweiler.  Diese Zusammenstellung geht aus einer Liste des Klosters Wörschweiler hervor, welche die zu erbringenden Abgaben aus dem Kirchspiel Wolfersweiler festhält.

 

Die Wellen der Reformation erfassten die Menschen unseres Dorfes, als Pfalzgraf Ludwig II (1514 – 1532), auch der „Erstling der Reformation“ genannt, den Prediger Johannes Schwebel  an seinen Hof aufnahm. Dieser wird in der Literatur wie auch sein Landesherr gerne als Reformierter bezeichnet, was natürlich dem Bekenntnisstand der Evangelischen Kirchengemeinde Wolfersweiler als unierter mit reformiertem Bekenntnis gut zu Gesicht stünde, man darf das allerdings nicht zu hoch bewerten. In dieser Frühzeit der Reformation, Schwebel kam 1523 nach Zweibrücken, waren zwar schon die grundlegenden Reformationsschriften von Luther verfasst und verbreitet worden (Sermon von den guten Werken, An den christlichen Adel deutscher Nation…,  Praeludium von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, Von der Freiheit eines Christenmenschen) und Zwingli hatte seine erste Züricher Disputation gehalten, aber bis es zu den neuen Theologischen Systemen wie der Confessio Augustana des Phillip Melanchton oder der Institutio des Johannes Clavin kam, sollte noch rund ein Jahrzehnt vergehen.

Außerdem war Schwebel selbst im Gefolge Martin Bucers aus Straßburg eher an einer Vermittlung zwischen dem sich langsam verfestigenden Luthertum und den Lehren Zwinglis gelegen.  Für die Menschen in unseren Breiten zeigte sich die Neuerung hauptsächlich darin, dass beim Abendmahl sowohl Brot als auch Wein an die Kommunikaten ausgeteilt, die Messe in deutscher Sprache gehalten wurde, und – wenn meistens auch erst Jahre später – die Pfarrer heirateten. Die theologischen Unterschiede in der Sakramentslehre: ob in den Elementen des Abendmales Jesu Blut und Leib in geheimnisvoller Weise realpräsent war – so Luther, oder ob es sich um ein Erinnerungsmahl an die Tat Christi und Verpflichtung zu seinem Dienst handelten – wie Zwingli meinte, wurden wohl kaum wahrgenommen. Das unterscheidet die damalige Zeit von der heutigen genau so wenig wie die weitgehende Unkenntnis über die weiteren Differenzen, wie das Verhältnis von Kirche und Obrigkeit, der Gottesgedanke und die innerreformierten Unterschiede zwischen Zwingli und Calvin. Jedenfalls duldete Ludwig II im seinem Herrschaftsgebiet Pfalz-Zweibrücken, also auch bei uns, die evangelische Form des Gottesdienstes schon lange bevor 1526 auf dem Reichstag zu Speyer dieses den Reichsständen offiziell gestattet wurde (das sog. ius reformandi). Nun darf man sich das nicht so vorstellen, dass von einem Tag auf den anderen alles umgestellt wurde, zumal es ja für die „Evangelischen“ noch gar keine einheitliche Ordnung gab, vielmehr experimentierten die jeweiligen Pfarrer, die der Reformation aufgeschlossen gegenüberstanden, mit unterschiedlichen Formen je nach Wissensstand und persönlichem Anliegen. So ist für die ebenfalls zum Pfalz-Zweibrückischen Herrschaftsgebiet gehörende Meisenheimer Gemeinde belegt, dass bereits 1523 erste gottesdienstliche Änderungen stattfanden und zum Pfingstfest 1526 das Abendmahl in der evangelischen Form ausgeteilt wurde, während in anderen Gemeinden noch 1537 der Ablass verkündigt wurde. Es war also den Gemeinden und ihren Pfarrern überlassen, ob sie sich der evangelischen Volksbewegung anschließen wollten oder beim alten katholischen Glauben blieben. In Wolfersweiler finden wir bei einer Visitation gegen Ende der 30er Jahre  den Brauch vor, dass der Gottesdienst im ersten Teil nach altem katholischen Ritus gehalten wurde, der Pfarrer dann die Messgewänder ablegte und das Abendmahl unter beiderlei Gestalt (Brot und Wein) austeilte.

In diese Zeit fiel auch der Tod Caspars von Zweibrücken, einem Onkel des regierenden Ludwig II. Er war seit sechsunddreißig Jahren auf der Burg Nohfelden als gefährliches Subjekt inhaftiert und wurde nun in der Kirche zu Wolfersweiler beigesetzt. Sein Grabstein, der in der früheren Kirche wohl wie üblich im Boden eingelassen war, ist durch den regen Kirchenbesuch so weit abgenutzt worden, dass man ihn beim Neubau der Kirche im Jahre 1788 zu seinem Erhalt in die Wand neben der Kanzel einbaute.

Ludwig II starb 1532 und da sein Sohn Wolfgang noch minderjährig war, übernahm sein Bruder Pfalzgraf Ruprecht bis 1543 Vormundschaft und Regierung.  Auf sein Geheiß hin entwarf Schwebel eine erste provisorische Kirchenordnung – Religionsmandat genannt – , die er von Bucer in Straßburg begutachten ließ, und die nach Erlass durch Pfalzgraf Ruprecht im Mai 1533 den Pfarreien zugestellt wurde. Dieses Mandat regelt in 12 Artikeln das kirchliche Leben. Vom unsträflichen Lebenswandel der Geistlichen, der unverfälschten Predigt des Wortes Gottes über die Haltung der Sonn- und Feiertage Wochenandachten, Taufe, Abendmahl, Trauung und Hausbesuchen regelt sie dann noch die Begräbnisse, den Katechismusunterricht und die zu haltenden Fürbitten. Dabei ist es zwar klar in seinen Vorgaben, aber überraschend fast demokratisch in der Haltung, wenn es abschließend darin  heißt: „Ist unser ernstlicher Befehl, welcher da meine, dass er mit gutem Gewissen solches nicht halten könne, oder gar vermeint, etwas Besseres in seiner Pfarrei anzustellen, der soll seine Meinung selbst mündlich oder schriftlich in unserer Kanzlei anzeigen; so will man ihn mit gnädiger Antwort darauf bedenken, damit allerlei Klagen vermieden werden.“

In den folgenden Monaten und Jahren wurde diese Ordnung dann mehr oder weniger in den Gemeinden angenommen und umgesetzt, wobei es nur von einzelnen  Dörfern Widerstand gab. Einmal wurde Anzeige beim Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg gestellt. Dieser ließ in einem Gutachten diese erste Kirchenordnung auf unserem Gebiet als „sektische Neuerung und gemeinen christlichen Kirchen, auch Römisch-Kaiserlicher Majestät und dem Heiligen Römischen Reich zuwider“ brandmarken, die Pfalz – Zweibrücker aber ließen sich von ihrem kirchenreformerischen Absichten nicht abbringen und blieben standhaft.

Zur Festigung der Erneuerung führten sie in ihrem Gebiet von 1538 an regelmäßig Visitationen durch, aus denen wir einige interessante Informationen über die Zustände in Wolfersweiler erfahren.

Der erste Pfarrer, der das Religionsmandat umsetzen sollte, war Nikolaus Berschweiler, allerdings fanden die Zweibrücker Visitatoren bei ihrem Besuch in Wolfersweiler, dass er noch sehr an den alten Vorstellungen hing. Auch bei der nächsten Visitation im Jahre 1544 lebte Nikolaus Berschweiler noch, allerdings amtierte neben ihm noch Pfarrer Johannes Monzingen. Diese beiden waren sich wohl nicht recht grün, denn, so wird in dem Visitationsprotokoll vermerkt, hielt der alte Pfarrer keinen Gottesdienst mehr in Wolfersweiler sondern nur noch in Freisen und zwar dort nach der alten Form. Viele Leute würden zu ihm gehen und nicht den rechten, angeordneten Glauben in Wolfersweiler befolgen. Ja, Berschweiler und sein Haus besuchten überhaupt keinen Gottesdienst in Wolfersweiler mehr, sondern der alte Pfarrer stand jedes Mal draußen vor der Kirche wenn Monzingen predigte. Außerdem beschwerte sich Pfarrer Monzingen darüber, dass Berschweiler ihn bei der Teilung der Einkünfte der Pfarrei übervorteilt habe.

1553 gab es nur noch einen Pfarrer in Wolfersweiler, der Friedrich Ulner hieß. Dieser wurde von den Visitatoren als ziemlich oberflächlich beschrieben und es wurde überlegt, ob er aus seinem Amt entfernt werden müsse. Ulner wiederum beklagte sich darüber, dass die aus Steinberg und Deckenhardt ihm schon seit zwei Jahren überhaupt kein Geld zum Unterhalt mehr gegeben hätten.

1555 fand zwar keine Visitation statt, dafür ein bedeutsames Ereignis, das seine Schatten bis nach Wolfersweiler warf. In Augsburg wurde der Religionsfriede geschlossen.  Von da ab galt: „cuius regio, eius religio“ , das heißt, die Stände des Reiches (Fürsten, Grafen etc) durften frei entscheiden, ob sie katholisch oder evangelisch sein wollten, ihre Untertanen mussten dann ihren Herren folgen oder das Land verlassen. Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken, der 1543 die Regierung von seinem Onkel übernommen hatte, erließ daraufhin 1557 eine neue Kirchenordnung, die von Phillip Melanchthon begutachtet und nun dezidiert lutherisch war. Diese wurde nun für die Pfarreien in seiner Herrschaft verbindlich und dies ließ er auch durch Visitationen überprüfen. Für Wolfersweiler bedeutete dieses, dass nach den eher reformierten Anfängen nun das Luthertum Einzug hielt und zwar in Gestalt des neuen Pfarrers Nicolaus Gudenthal, der seinen Dienst im Jahre 1559 antrat und 35 Jahre lang Pfarrer des Kirchspiels blieb. Von ihm wissen wir aus einem Visitationsprotokoll, dass er bei einem Dienstgang einmal einem Vater mit einem zu taufenden Kind traf, und da der Freisbach nahe war, taufte er das Kind gleich an Ort und Stelle. Die Visitatoren erkannten die Taufe zwar an, aber untersagten dem Pfarrer aufs Strengste, diese Praxis zu wiederholen.
Weiter erfahren wir aus der Amtszeit von Gudenthal, dass in der Zeit von 1564 bis 1577 die  Pest wütete und in der Folge von Hunger und Not in einzelnen Dörfern alte heidnische Gebräuche wie z.B. die Hagelfeiern wieder aufflammten. Diese lehnten sich zwar oft an christliche Festtage an, waren aber alte magische Zauberformeln, mit denen das Unglück gebannt werden sollten. 1560 wurde auch bemängelt, dass in der Wolfersweiler Kirche und der Steinberger Kapelle immer noch die alten „Götzen“ – das waren wahrscheinlich Heiligenbilder – hingen, die entfernt werden müssten.

Und noch eine weitere Prüfung hatte Gudenthal zu bestehen: 1588, als er bereits 65 Jahre alt war, wechselte sein Landesherr Johann I, der zweite Sohn des inzwischen verstorbenen Pfalzgrafen Wolfgang, zur reformierten Konfession und führte sie auch in seinem Land ein. Der Lutheraner Gudenthal blieb zwar bis zu seinem Tod im Jahre 1594  in der Wolfersweiler Pfarrei, wird aber kaum noch wesentliche Impulse der reformierten calvinistischen Lehre weitergegeben haben. Dieses geschah wohl erst unter seinem Nachfolger Martin Hoff, der Wolfersweiler als blühendes Kirchspiel mit einer Hauptpfarrstelle übernahm und in den 38 Jahren seines Dienstes dessen Niedergang bedingt durch den 30jährigen Krieg erleben musste. 

 

 

b) Der 30jährige Krieg

 

Die seit dem Augsburger Religionsfrieden festgeschriebenen Gegensätze zwischen den protestantischen und katholischen Herrschaftsgebieten des römisch-deutschen Reiches führten zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu wachsenden Spannungen. Es entstanden konfessionell ausgerichtete Kampfbünde,  die protestantische Union unter kurpfälzischer Leitung und die katholische Liga mit dem Herzog von Bayern an der Spitze. Die Spannung explodierte, als im Jahr 1618 in Prag eine erregte Menschenmenge zwei kaiserliche Statthalter, die für die zwanghafte Rekatholisierung des weitgehend protestantischen (hussitischen) Böhmens standen, kurzerhand aus einem Fenster der Prager Burg warfen (Prager Fenstersturz). Kurfürst Friedrich V von der Pfalz wurde zum König von Böhmen gewählt, während der Habsburger Kaiser Ferdinand II von Österreich  sich mit Maximilian, dem Herzog von Bayern verbündete und so begannen drei Jahrzehnte kriegerischer Auseinandersetzung mit den verheerendsten Folgen für das ganze Land. Zunächst gewannen die „Katholischen“ unter Tilly und Wallenstein und drangen bis nach Norddeutschland vor. In den besetzten Gebieten wurde die habsburgische Landesherrschaft stabilisiert und hart gegen die Aufständischen vorgegangen, die protestantischen Gebiete wurde gegen geltendes Reichsrecht rekatholisiert.   1630 griff der protestantische Schwedenkönig Gustav II Adolf in den Krieg ein. Er landete mit seinem Heer in Pommern und zog  mit einer Reihe von Siegen bis München. Bei Nürnberg wechselte das Kriegsglück wieder und Wallenstein gelang es die Schweden erstmals zu besiegen; 1632 fiel Gustav II Adolf in der Schlacht bei Lützen. 1635 griff Frankreich in den Krieg ein, weil es eine totale Umklammerung seiner Gebiete durch die Habsburger verhindern wollte. Bernhard von Weimar, der Führer der protestantischen Deutschen und Schweden vereinigte sich in Lothringen mit den französischen Truppen und ihnen gelang noch einmal ein Vorstoß gegen die „Kaiserlichen“ von Saarbrücken über Zweibrücken bis schließlich über den Rhein nach Mainz. Diese Stellung war allerdings nicht lange zu halten und so erfolgte der Rückzug im Winter unter schwierigsten Witterungsbedingungen über Kreuznach, Sobernheim, Birkenfeld und Wallerfangen an die Saar. Diese Feldzüge brachten dann das ganze Elend des Dreißigjährigen Kriegs mit den marodierenden und plündernden Söldnerbanden über unser Gebiet, das bis dahin zwar nicht verschont, aber eher am Rande der ganzen kriegerischen  Auseinandersetzungen lag.

Auch das Kirchspiel Wolfersweiler wurde heimgesucht. Aus der Wolfersweiler Kirche wurde Abendmahlsgerät geraubt, der Ort Stegen gänzlich dem Erdboden gleichgemacht und die wenigen verbliebenen Bewohner geschändet, vertrieben oder umgebracht. Nach der ersten in unserem Land durchgeführten Volkszählung von 1609 ging hervor, dass vor dem Krieg insgesamt in dem Kirchspiel 154 Haushaltungen mit 956 evangelisch – reformierten Einwohnern, dazu noch 3 weitere als Dienstboten tätige „Catolic“, lebten. Nach dem Krieg blieben davon nur noch 33 Haushalte mit einer nicht näher bezeichneten Zahl Familienangehöriger übrig. Damit gehörte unser Kirchspiel mit zu den am meisten heimgesuchten Gebieten des ganzen Krieges. Bemerkenswert ist noch, dass noch in den Kriegsjahren auf den 1633 verstorbenen Pfarrer Martin Hoff für zwei Jahre Pfarrer Johann Nicolaus Hüther folgte. Allerdings blieb von 1635 bis 1655 die Pfarrei zwanzig Jahre lang vakant.

 

 

c)  Vom Westfälischen Frieden bis zur Französischen Revolution 

 

Wenn auch im Westfälischen Frieden 1648 zu Münster und Osnabrück die Kriegshandlungen offiziell beendet waren, kam unser Gebiet noch lange nicht zur Ruhe. Waren es zunächst herumstreifende Trupps von Soldaten, die sich dem Rückzug ihrer Heere entzogen, die brandschatzten und die wehrlosen Dörfer ausraubten, so wurde mit der Zeit der Anspruch des Franzosenkönigs auf Elsass und Lothringen sowie die ganzen linken Rheinlande zum Grund immer neuer Durchzüge von Soldaten mit den unausbleiblichen Folgen von Raub, Verwüstung und Gewalt. Die ortsansässigen Verwaltungen sahen sich gezwungen eigene Schutztruppen, so genannte militärische Ausschüsse zu bilden, die die Truppen auf ihren Zügen durch das Land begleiteten und die Bevölkerung vor ihnen schützen sollten. Allerdings gingen auch diese Ausschüsse oft mit brutaler Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vor um sich zu bereichern. So hören wir von einer Anklage des Nohfelder Kellers (Amtsverwalters)  gegen den Birkenfelder Militärausschuss, der eigentlich die Wolfersweiler Bevölkerung vor den Truppen des lothringischen Generalmajors Grodt schützen sollte, aber selbst  in Wolfersweiler „über die Maßen pilliert und in den Häusern ärger als die Lothringischen selbst gemaust“ hätte. Diese Zeiten nahmen das Kirchspiel Wolfersweiler so mit, dass als 1655 endlich ein neuer Pfarrer kam, diese frühere Hauptstelle eine der ärmsten Pfarrstellen für Anfänger war.

1681 starb der letzte Angehörige der Pfalz-Zweibrücker Linie und unser Gebiet kam durch Erbe unter die Herrschaft der Schwedenkönige. Da diese lutherisch waren, förderten sie in den teilweise menschenentleerten reformierten Gebieten die Ansiedlung von lutherischen Einwanderern, was schließlich 1701 zu einer selbstständigen lutherischen Gemeinde in dem kirchlich eigentlich zum reformierten Wolfersweiler gehörigen Nohfelden führte. In dieser ganzen Zeit des zu Ende gehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts wurde unser Land immer wieder durch die Kriege, die der Sonnenkönig zur Sicherung seiner Vorherrschaft in Europa führte in Mitleidenschaft gezogen. Er setzte  nach dem Friedensschluss von Nimwegen 1679 die berüchtigten Reunionskammern ein, die den Anschluss aller Lande, die jemals zu französischen Bistümern gehört hatten, an das französische Mutterland betrieben.  So wurde auch das Zweibrücker Amt Nohfelden durch französische Truppen besetzt. Es entstand eine seltsame Situation, rechtlich gehörte das Gebiet den Schweden, tatsächlich übten aber die Franzosen die Herrschaft aus.

Der katholische Sonnenkönig sorgte dafür, dass auch die wenigen Katholiken, die sich während dieser Zeit der Reunion in seinem Gebiet angesiedelt hatten, ihre Messen feiern konnten. So wurden viele Kirchen zu Simultaneen, das heißt sie wurden sowohl von den Protestanten als auch von den Katholiken benutzt.  Das trieb mitunter seltsame Blüten, weil oft nach Streitigkeiten schriftlich festgelegt wurde, was und wie die katholischen Christen die protestantischen Kirchen benutzen durften. So wurde in einigen Kirchen zum Teil noch bis heute erhaltene Gitter um den Altar gebaut, damit die „Catholischen“ diesen ja nicht in benutzen konnten. Im Bereich des Wolfersweiler Kirchspiels ist allerdings nur die Nohfelder Kappelle als Simultaneum benutzt worden. Dies dauerte bis 1697, als Ludwig XIV im Frieden zu Rijswijk die reunierten deutschen Ländereien wieder herausgeben musste. Das Herzogtum Zweibrücken war schwedisch also, die überkonfessionelle Nutzung der Kirchen wurde abgeschafft. Richtig Frieden und die Chance zum Neuaufbau der verwüsteten Länderein gab es aber erst nach Ende des spanischen Erbfolgekriegs und dem Frieden zu Utrecht 1715.

Wieder wurden neue Ansiedler geworben um brachliegendes Land zu bestellen und die Dörfer zu beleben. Dabei wurden den Siedlern große finanzielle Erleichterungen versprochen und auch konfessionelle Großzügigkeit. So kamen in unser einstmals fast rein reformiertes Gebiet viele Menschen aller Glaubensrichtungen. 

Als der Schwedenkönig Karl XII starb, folgte ihm im Herzogtum Zweibrücken Pfalzgraf Gustav Samuel Leopold auf dem Thron, der erst evangelisch war, dann aber zum Katholizismus  übergetreten war.  Unter seiner Förderung nahm die Zahl der Katholiken im Kirchspiel Wolfersweiler zu, so dass er unter Bezugnahme auf den Rijswijker Friedensschluss am 24. August 1720 in Wolfersweiler die katholische Pfarrei St. Laurentius errichtete.

Leider begann dann in Wolfersweiler eine Phase des Streites zwischen den Konfessionen in der beide Seiten versuchten sich gegenseitig zu behindern und den jeweils anderen zu übervorteilen. Während die Evangelischen mit allen Tricks , allerdings erfolglos, zu verhindern versuchten, dass auch die katholischen Christen ein Gotteshaus erbauen konnten, revanchierten sich diese nach dem Errichten ihrer Kirche in Wolfersweiler mit der Ausdehnung ihrer Prozessionen über den vom Kirchenregiment erlaubten Bereich hinaus. Es kam hierbei sogar zu Handgreiflichkeiten, so dass die Regierung in Zweibrücken sich gezwungen sah, eine Truppe von hundert Soldaten zum Schutz der Prozessionen nach Wolfersweiler zu entsenden.  Frieden trat erst wieder ein, als 1734 dem katholischen Pfarrer auf Veranlassung der Regierung vom Amtskeller in Nohfelden befohlen wurde sich an die vorgeschriebene Route zu halten. In den anschließenden Jahren sind keine größeren Streitigkeiten zwischen den Konfessionen in Wolfersweiler bekannt, eher gemeinsame Schwierigkeiten mit der jeweiligen Kirchenobrigkeit. So mussten sowohl von katholischer als auch von protestantischer Seite die Gläubigen der jeweils eigenen Konfession ermahnt werden, bei kirchlichen Festen, hauptsächlich Trauungen, Taufen und Beerdigungen das Maß nicht zu verlieren. Hochzeitsfeiern wurden zum Beispiel per Pfalzgräflichen Erlass auf nur noch einen Tag beschränkt, die Geschenke sogar gänzlich untersagt, ebenfalls der Brauch, dass die Taufpaten die „Nachbarsweiber“ in den Wirtshäusern freizuhalten hatten und die Zahl der Gäste bei Beerdigungsnachfeiern durfte eine bestimmte Anzahl nicht überschreiten. In Wolfersweiler schien damals trotz oder vielleicht gerade wegen der ärmlichen Umstände so feuchtfröhlich gefeiert worden zu sein so dass der Landesherr aus Sorge um seine Untertanen ihnen diese Beschränkungen auferlegen musste. Dazu passt auch, dass ein weiterer Erlass des Pfalzgrafen befahl, dass kein Wirt jemanden nach 10 Uhr etwas zu trinken ausschenken durfte, dass erst nach Bezahlung des ersten Schoppens der zweite verabreicht werden durfte und dass die Ortsobrigkeit halbjährlich eine Liste aller Säufer, Spieler und Müßiggänger aufzustellen hatte. Sinnigerweise wurde dieser Erlass  am 14. April 1785 in Karlsberg unterzeichnet.

Im Übrigen hatte die reformierte Gemeinde in Wolfersweiler in dieser Zeit auch genug andere Sorgen, so musste die alte Kirche erneuert werden. Diese alte Kirche war vermutlich schon im 13. Jahrhundert erbaut worden. Die große Glocke trug eine Inschrift, die sie als Schenkung Karl des Großen (747-814) auswies und eine eingehauene Jahreszahl im Turmgebälk zeigt heute noch das Datum einer Reparatur im Jahre 1586. Verschiedene erneute Reparaturversuche misslangen. Nach schwierigen Verhandlungen und Planungen wurde am 1. September 1786 der Grundstein der neuen Kirche gelegt. Die alte Kirche war bis auf den Turm abgerissen worden. Zwei Jahre dauerte der Bau und am 1. Advent des Jahres 1788 wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht.

 

 

d) Die Französische Revolution

 

Nach 70 Jahre relativen Frieden in unserem Gebiet  trugen die Wellen der französischen Revolution wieder Heere mit ihren Kriegslasten, Plünderungen und Schändungen in unsere Gegend. Dabei taten sich die französisch revolutionären  Armeen in negativer Hinsicht besonders hervor. So schreibt 1794 der St. Wendeler Pfarrer in sein Kirchenbuch: „Wir haben durch Plünderung, Brandschatzung und Wegnahme selbst der Kirchenglocken in der Stadt und in den Dorfschaften alles verloren, und es blieb uns schier nichts übrig als die Augen zum Weinen.“ Erst der Friede von Campo Formio vom Oktober 1797 brachte eine gewisse Beruhigung. In diesem Vertrag erklärte sich Österreich gegenüber Frankreich in einem geheimen Zusatzartikel zur Abtretung des linken Rheinufers von Basel bis Andernach bereit.

Für die Kirchen bei uns brachte dies große Änderungen. Durch die Flucht ihrer Regierungen vor den Revolutionären waren auch die kirchlichen Administrationen zerstört. Die zeitweilige Beschlagnahmung der Kirchengüter und Abschaffung des Zehnten unter der Fahne von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ beraubte die Pfarrer ihrer Lebensgrundlage und brachte große Not in die Gemeinden. Dies änderte sich erst, als Napoleon 1805 gemäß seinem Wahlspruch „Das Volk braucht Religion, aber sie muss in den Händen der Regierung sein“,  die religionsfeindliche Haltung der Revolution abschwächte, Teile der annektierten Kirchengüter zurückgab und sogar kleineren Gemeinden, die ihre Pfarrer nicht aus eigenem Einkommen bezahlen konnten, ein Staatsgehalt von 500 Franken bewilligte.

Schon vor der völkerrechtlichen Anerkennung der Annektion des linken Rheinufers im Reichdeputationshauptschluss von 1803 ordnete die französische Regierung die weltliche und kirchliche Verwaltung neu. Es wurden entsprechend der Einteilung des übrigen Frankreichs vier neue Departements geschaffen, unser Gebiet kam zum Departement de la Sarre. Diese Departements waren wiederum in Arrondissements, diese in Kantone eingeteilt und die kleineren Ortschaften zu einer Mairie verbunden. Diese Einteilung riss die verschiedenen Orte der Pfarrei Wolfersweiler zum ersten Mal politisch auseinander. Die Dörfer Walhausen, Steinberg, Deckenhardt, Mosberg, Richweiler, Hirstein, Asweiler und Eitzweiler, welche die Mairie Walhausen bildeten, gehörten zum Kanton St. Wendel im Arrondissement Saarbrücken, während Nohfelden, Wolfersweiler und Gimbweiler, vereint zur Mairie Nohfelden, zum Kanton Baumholder im Arrondissement Birkenfeld zählten.

Auch kirchlicherseits wurde die Verwaltung neu geregelt. Für die katholischen Pfarreien wurden die Kantonsgrenzen zugrunde gelegt, so kam Wolfersweiler zum Kanton Baumholder unter dem Erzbistum Mecheln, das mit den Departementsgrenzen identisch war  (gebildet aus dem ehemaligen Erzbistum Trier). 

Das reformierte Wolfersweiler dagegen gehörte zum reformierten Lokalkonsistorium im Kanton Kusel. Diese Zerrissenheit dauerte bis zum Wiener Kongress, mit dem das Ende der napoleonischen Kriege besiegelt wurde.

 

 

e) Vom Wiener Kongress bis zum ersten Weltkrieg

 

Bei der Neugliederung der deutschen Lande nach der französischen Herrschaft auf dem Wiener Kongress wurde Preußen verpflichtet, ein Gebiet mit 20.000 Seelen dem Großherzog von Oldenburg als Entschädigung von Kriegslasten zu überlassen. Die Wahl fiel auf unsere Heimat, es wurde aus 7 verschiedenen Staaten der alten Zeit das Gebiet des heutigen evangelischen Kirchenkreises Birkenfeld zusammengestellt. Als  Großherzog Peter Friedrich Ludwig dieses am 16. April des Jahres 1817 in Besitz nahm, gab er ihm den Namen Fürstenthum Birkenfeld.  Dieses bestand aus 94 Orten von Hirstein im Süden bis Buntenbach im Norden, war zu knapp 80% evangelisch und außer den beiden reformierten Pfarreien Wolfersweiler und Achtelsbach rein lutherisch.

Sogleich machte der Herzog sich daran, das öffentliche und kirchliche Leben zu ordnen. In der „Landesherrlichen Verordnung über die Einrichtung der Regierung im Fürstenthum Birkenfeld“ vom September des Jahres war zu lesen: „Unserer Regierung liegt ob die Besorgung der Kirchen- und Schulsachen mit Zuziehung eines von Uns dahin anzuweisenden Geistlichen der drei christlichen Konfessionen, insofern der Gegenstand die eine oder die andere derselben betrifft.“ So entstand die selbstständige evangelische Landeskirche Birkenfeld (die bis 1934 existierte). 1823 wurde die Kirchenordnung für den evangelischen Landesteil erlassen. Die entsprechende Regelung für die katholische Minderheit ließ noch einige Zeit auf sich warten, erst im Jahr 1828 wurde das katholische Dekanat Birkenfeld eingerichtet und so das Verhältnis zur Landesregierung geklärt.

Im gleichen Jahr regen bei einer Visitation zwei Wolfersweiler Presbyter an, dass wie in manchen Nachbarstaaten auch in Birkenfeld eine Union zwischen den lutherischen und reformierten Gemeinden wünschenswert sei.  Allerdings waren dazu noch viele Hürden zu überwinden und erst nach mehreren Anläufen wurde diese Union mit feierlichem Gepränge am 25. Juni 1843 vollzogen. Von da ab durften z.B. Lutheraner auch in den reformierten Gemeinden zum Abendmahl gehen und umgekehrt. 

Umstellungen in der Landwirtschaft und der beginnende Kartoffelanbau mit einigen Missernten brachten Ende der 20 Jahre und dann wieder in der Zeit von 1840 bis 1860 Tausende von Menschen unseres Landstrichs dazu auszuwandern und ihr Glück in Brasilien, Nordamerika und anderen Staaten zu suchen. Die landesherrliche Obrigkeit und auch die Kirchen versuchten das zwar zu verhindern, aber ihre Warnungen stießen meist auf taube Ohren. Auch in Wolfersweiler wurde von den Kanzeln verkündigt, wie schlimm und gefährlich diese Reisen seien. Aber heute, nach 150 Jahren, zeugen viele Besucher, die aus Amerika zu uns kommen und die Kirche ihrer Vorfahren suchen, dass so mancher wohl doch sein Glück in Übersee gefunden hat.
1829 zeigte Pastor Krumpholz beim Großherzoglichen Amt in Nohfelden an, dass die katholische Pfarrkirche baufällig sei. Es dauerte aber, unter anderem auch weil die Dörfer Hahnweiler, Rückweiler und Rohrbach sich von Wolfersweiler weg nach Freisen orientierten, bis zum Jahr 1867 bis eine neue, größere Kirche an Stelle der älteren gebaut und geweiht werden konnte.

Seit dem Neubeginn der katholischen Pfarrgemeinde 1720 wurden ihre Mitglieder auf einen gesonderten Teil des protestantischen Friedhofs, der sich um die reformierte Kirche herum erstreckte, beigesetzt. 1883 kam es zu Auseinandersetzungen über die Erhaltung der Friedhofsmauer zwischen den katholischen und reformierten Leitungsorganen und so wurde ein eigener katholischer Friedhof am Weg zum Dorf Gimbweiler eingerichtet, der bis heute besteht.

1918 zeichnete sich das Ende des Fürstenthums Birkenfeld ab. Großherzog Friedrich August verzichtete auf den Thron, Birkenfeld blieb aber bis 1937 als Provinz Teil Oldenburgs.

 

f) Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus

 

1934 löste sich die selbstständige evangelische Landeskirche Birkenfeld – wohl auch wegen finanzieller Probleme – auf und wurde zu einem Kirchenkreis in der Alt-Preußischen-Union innerhalb der rheinischen Provinzialkirche.  Damals begannen in den Gemeinden in die Auseinandersetzungen zwischen den Deutschen Christen, die die nationalsozialistische Ideologie mit Kirche und Glauben vermischten und der Bekenntnisbewegung, welche die reine Lehre des Evangeliums zu bewahren versuchte. Ein nennenswerter kirchlicher Widerstand gegen das  NS-Unrechtsregime ist im Kirchenkeis Birkenfeld aber nicht bekannt. Lediglich Pfarrer Engelhardt aus Leisel und später Pfarrer Schuster aus Sötern sind als Mitglieder der Bekenntnisbewegung bezeugt. Allerdings scheint in unserer Gegend die Auseinandersetzung nicht so brutal erfolgt zu sein wie in den rheinischen Kernlanden. Aber auch in Wolfersweiler säumten bei so mancher kirchlichen Trauung braune Uniformen den Weg, in Nohfelden stieg sogar ein Pfarrer mit derselben auf die Kanzel und predigte, und das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Wolfersweiler setzte sich seit den letzten Kirchenwahlen nur aus Presbytern zusammen, die auf einer Einheitsliste der nationalsozialistischen Deutschen Christen gestanden hatten. 

Nach der 1934 durch Reichsgesetz verfügten Eingliederung aller Jugendverbände in die Hitlerjugend und den Bund Deutscher Mädel kam es zu einem Vertrag zwischen dem Presbyterium von Wolfersweiler und den besagten beiden nationalsozialistischen Jugendverbänden. Dieser besagte, dass die Kirchengemeinde weiterhin das Recht hatte, an zwei Tagen in der Woche ihre Jugendlichen durch die von der Kirchengemeinde bestellten Jugendleiter betreuen zu lassen, und dass HJ und BDM für diese beiden Tage sowie für 2 Sonntage im Monat die Jugendlichen von allen Verpflichtungen freistellen sollten. Inwieweit dieses Abkommen eingehalten wurde und wie lange es gedauert hat, ist dem Verfasser unbekannt, die Möglichkeit dieses Vertrages zeigt jedoch, dass bei uns mit anderen Mitteln gearbeitet wurde als in den Städten und Ballungsräumen.

Etwas seltsam war der Verlauf der Presbyteriumssitzung im Januar 1937. Pfarrer Susewind in Wolfersweiler beantragte, dass die Verstorbenen, die aus der Kirchengemeinde Wolfersweiler ausgetreten waren (meist NSDAP-Mitglieder, die sich der „Deutschen Glaubensbewegung“ angeschlossen hatten) abweichend von der bisherigen Praxis auf dem Friedhof beigesetzt werden könnten. Dieser Antrag wurde abgelehnt, obwohl alle Presbyter über die Liste der DC in das Presbyterium gekommen waren, was ein bezeichnendes Licht auf die Wolfersweiler Verhältnisse wirft. Allerdings kamen über eine Neuformulierung der Friedhofsordnung dann doch diese Personen  (sie mussten im Gegensatz zu den Gemeindegliedern, für die das kostenfrei war, 50 Reichsmark bezahlen) in den Genuss eines Begräbnisses auf den historischen Wolfersweiler Friedhof. Ob sich die Stimmung im Presbyterium gedreht hatte, oder ob es ein geschickter Schachzug von Pfarrer Susewind oder vielleicht auch nur eine Unaufmerksamkeit war, ist heute nicht mehr herauszufinden.
Eine weitere für unsere Gemeinde bezeichnende Situation ergab sich im Jahre 1941. Pfarrer Schneider aus Nohfelden, der zu dieser Zeit die vakante Stelle in Wolfersweiler mit versorgte berichtete, dass der Bürgermeister von Steinberg – Deckenhardt  und Presbyter in Wolfersweiler aus der Kirche ausgetreten war. Folgendes hatte sich zugetragen: Pfarrer Schneider wollte in diesem Dorf unseres Kirchspiels eine Bibelstunde abhalten und hatte, wie es so üblich war, den Bürgermeister gebeten ihm dafür den Schulsaal zur Verfügung zu stellen. Jener erlaubte dieses auch unter allgemeiner Zustimmung des Dorfes. Allerdings war er daraufhin anonym bei der Schulbehörde und dem Amtsbürgermeister angezeigt und massiv unter Druck gesetzt worden. Er konnte oder wollte dem nicht weiter standhalten und entschloss sich so „schweren Herzens“ wie der Pfarrer schreibt, aus der Kirche auszutreten.

Der Besuch des Konfirmationsunterrichtes ließ sehr zu wünschen übrig, so steht es im Protokollbuch, allerdings beschloss das Presbyterium bei den „bestehenden Verhältnissen von (damals durchaus üblichen) Zwangsmaßnahmen abzusehen.“ An diesen Beispielen zeigt sich, dass bei uns oftmals Vermittlungspositionen gesucht wurden, die es vielleicht in den Jahren nach der Nationalsozialistischen Herrschaft so Manchem erleichtert haben wieder in die Kirche einzutreten. Jedenfalls sind die Bücher der Evangelischen Kirchengemeinde in den Jahren  nach 1947 voll von solchen Anträgen.

Über die Verhältnisse in der katholischen Gemeinde Wolfersweiler in dieser Zeit ist dem Verfasser nichts bekannt.

 

 

g) Die neue Zeit

 

 

Da geschichtliche Betrachtung immer eines gewissen Abstands bedarf sollen hier nur kurz der Bestand und die Entwicklungstendenzen der letzten Jahre aufgezeigt werden.

Die katholische Pfarrei Wolfersweiler verliert 1948 den Ort Türkismühle an die Pfarrei Sötern, baut aber im gleichen Jahr in Walhausen eine kleine Kirche. 1955 werden in Wolfersweiler drei und in Walhausen eine Glocke angeschafft und geweiht. 1969 wird der letzte eigenständige Pastor, Pater Jakob Conrad SVD in der katholischen Kirche Wolfersweiler eingeführt. Auf Grund des Priestermangels der Römisch – katholischen Kirche wird nach seinem Ausscheiden die Pfarrei nicht mehr neu besetzt sondern zuerst von Sötern und nach der Jahrtausendwende von Freisen aus versorgt.

In den beiden letzten Jahrzehnten des ausgehenden 2. Jahrtausend entwickelte sich ein reges ökumenisches Miteinander der katholischen und evangelischen Christen unseres Ortes, das auch in gemeinsamen und gegenseitigen Beratungen und Aktionen der Pfarrer und Pastoren seinen Ausdruck fand. Leider wurde dies von der römischen Kurie unter Papst Johannes Paul II entgegen dem Willen der Mehrzahl der Bevölkerung durch stetig wachsende Restriktionen unterbunden.  

Die evangelische Kirchengemeinde Wolfersweiler umfasst nach dem Beitritt der Ortschaften Gehweiler und Pinsweiler im Jahr 1962 nun 10 Orte, außer den beiden bereits genannten Asweiler, Eitzweiler, Gimbweiler, Hirstein, Mosberg/Richweiler,   Steinberg/Deckenhardt, Walhausen und Wolfersweiler. Neben der historischen Kirche in Wolfersweiler mit einer hervorragenden Stummorgel (die älteste im Saarland) werden in den Jahren 1959 noch Kirchen in Hirstein und 1965 in Steinberg/Deckenhardt und Walhausen gebaut und eingeweiht. 1974 errichtet die Gemeinde an der Stelle des alten Küstersaals ein neues Pfarrhaus und ein modernes Gemeindezentrum. 1976 wird eine zweite Pfarrstelle eingerichtet und 1977 der schon einige Zeit ruhende evangelische Krankenpflegeverein aufgelöst.

Wenn für die katholische Kirche der Priestermangel aufgrund des Zölibats die größte Sorge und Herausforderung stellt, sind auf evangelischer Seite die durch den Geburtenrückgang abnehmende Zahl der Gemeindeglieder und die durch die gesellschaftspolitische Entwicklung drastisch zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen das Hauptproblem dieser Zeit.  So ist kaum zu erwarten, dass die oben dargestellte Struktur der Kirchengemeinde mit vier Kirchen und zwei Pfarrstellen noch längere Zeit Bestand haben wird.

Diese kurzen Blitzlichter aus fast 500 Jahren kirchlicher Geschichte in unserem Dorf mögen gezeigt haben, dass in allen auf und abwogenden Tendenzen der Zeit das Vertrauen auf die Zukunft seinen Grund nicht in den Taten der Menschen, sondern im Festhalten auf den der uns alle geschaffen hat seine Berechtigung und Kraft findet.

Verbum Dei manet in aeternum. – Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit. (Barmer theologische Erklärung von 1934)

(Wolfersweiler im Jahr 2004, Pfr. Uwe Regenberg)