Familiennamen in Wolfersweiler

Das erste vollständige Einwohnerverzeichnis von Wolfersweiler stammt aus dem Jahre 1609. Wenige Jahre vor Beginn des 30jährigen Krieges zählte der Ort 35 Häuser und 200 Einwohner. Die Angaben sind der Niederschrift über das Ergebnis der „Kirchenvisitationen im kirchlichen Verwaltungsbereich Kusel/Pfalz“ entnommen, die Professor Hermann Friedrich Macco, Berlin-Steglitz, nach dem ersten Weltkrieg auf dem Dachboden des evangelischen Pfarrhauses in Konken, unweit Kusel, entdeckt hat.

Bereits im Juli 1928 veröffentlichte Albert Zink aus Erdesbach (Pfalz) in den „Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Landesteil Birkenfeld“ ein stark gekürztes Einwohnerverzeichnis von Wolfersweiler und verschiedenen Nachbarorten, das auf die gleiche Quelle zurückgeht. Die folgenden Angaben stützen sich auf eine amerikanische Ausgabe aus dem Jahre 1930, einer Sondernummer der „Publications of The Genealogical Society of Pennsylvania“, in der englischen Übersetzung
eines Mitglieds dieser Gesellschaft, Ricardo W. Staudt, Buenos Aires. Der Entdecker des „Fundes von Konken“ schrieb dazu unter dem Datum „18. Januar 1927“ eine Einleitung für die amerikanischen Leser.

Auszug:

„Bericht über die Häuser und Einwohner, vorgefunden in der Pfarrei Wolfersweiler, als am 17. und 18. Mai 1609 die Visitation durchgeführt wurde:

  1. Johann Göbel, Witwer, Schultheiß und Zensor, hat in seinem Hause seinen Schwiegersohn Hans Luder, einen Leinenweber, und seine Frau Margret. Enkel: Nickel, Jörg ist auf Wanderschaft, Johannes der Ältere, Johannes der Jüngere. Enkelinnen: Engel, Maria, Appel.
  2. Lauer Jacob, „Schöpfen“ (= Schöffe) und Wirt, seine Frau Else. Ihr Sohn Hans, seine Frau Agnes, deren Tochter Els. Knechte: Thison, Martin, beide „ex papatu“ (katholisch; wörtlich: aus dem Papsttum).
  3. Bietels Hans, Witwer, Schöffe und Wollenweber, sein Schwiegersohn Hans, ein Bäcker, des letzteren Frau Maria, ihre Tochter Anna. Des A1ten Sohn Henrich. Knecht: Thison (ex papatu).
  4. Henrich Menger, Witwer, Schöffe und Leinenweber, sein Sohn Hans, dessen Frau Margareta, ihr Sohn Johannes. Knecht: Matthes (ex papatu). Magd: Els, Stephans Tochter aus diesem Ort.
  5. Jacob Köl, Zensor und Gerber, seine Frau Els. Söhne Hans und Jacob. Töchter: Ketter und Maria. Ein Enkel Hans Nickel.
  6. Hans Müller, Zensor und Müller, seine Frau Maria. Söhne: Hans und Michel, Tochter Els. Weiter Vetter Michel, alt und ledig.
  7. Clos Becker, ein Bäcker, seine Frau Els. Sohn: Michel. Töchter: Engel, Agnes, Barbel, Anna, Maria.
  8. Hermans Jacob, Maurer, seine Frau Maria. Schwiegersohn Hans Müller, seine Frau Barbel, haben 2 Söhne: Martin, Hans Jacob. Tochter Els. Jacob’s Tochter: Barbel. Der Knecht Jacob stammt aus diesem Dorf.
  9. Michel Nofelser, Witwer, Leinenweber, und Hans „weilerischer Meier“ Sohn: Michel. Knecht: Wendel (ex papatu). Magd: Ketter von Selbach, in herrschaftlichem Dienst. Schwiegersohn Johannes, ein Lauer (= Gerber), seine Frau Barbel, Kinder: Hans, Maria, Els.
  10. Barthel Schumacher, ein Schuhmacher, seine Frau Barbel, Tochter Anna. Knecht: Hans, sein Enkelkind.
  11. Johann Göbel der Jüngere, seine Frau Barbara. Kinder: Hans Wilhelm, Els. Knecht: Petter von Baumholder.
  12. Bietels Michel, seine Frau Barbel. Kinder: Hans, Nickel, Maria, Anna, Margret.
  13. Bast Rohtfuchs, Lauer und Ackersmann, Frau Ketter. Kinder: Barbel, Els, Maria, Agnes, Ketter.
  14. Bauers Frit, Leinenweber, seine Frau Els.
  15. Linden Wilhelm, Lauer, Frau Matgret. Kinder: Michel, Els, Ketter, Christina. Knecht: Michel (ex papatu).
  16. Hans Bär, Bäcker, Frau Barbel. Kinder: Hans Jörg, Hans Nickel, Appel, Barbel. Magd: Trein von Selbach, in herrschaftlichem Dienst.
  17. Jacob Kob, Schmied und Baumeister, Frau Anna. Kinder: Johannes, Michel, Maria. Knecht: Wolff von Ellweiler.
  18. Schneider Michel, Wollenweher, Frau Clara. Kinder: Hans, Barbel, Margreta.
  19. Becker Hans, Bäcker und Wirt, Frau Agnes. Kinder: Stoffel, Petter, Ketter, Eva.
  20. Stephans Hans, Ackersmann, Frau Els.
  21. Linden Adam, Ackersmann und Lauer, Frau Ermel. Söhne: Johannes der Ältere, Johannes der Jüngere; Magd: Christina (ex papatu).
  22. Hans Horrenberger, Glöckner, Frau Els. Kinder: Christman auf Wanderschaft, Hans Jacob, Nikolaus, Clara. Magd: Anna von Selbach, in herrschaftlichem Dienst.
  23. Beckers Jöb, Küfer, Frau Ketter. Töchter: Els, Ketter, Barbel. Seine Mutter, Witwe Sophie, der Bruder Petter, die Schwester Margret.
  24. Petter Gudendahl, Schneider, Frau Sinn(a), 2 Söhne, 5 Töchter: Hans, Petter, Engel, Anna, Margreta, Maria, Christina.
  25. Christmans Johannes, Tagelöhner, Frau Trina. Kinder: Hans, Hans Michel, Maria.
  26. Linden Clos, Lauer, Frau Els. 3 Söhne, 2 Töchter: Hans der Ältere, ein Schreiber, Hans der Jüngere, ebenso Thilman, Ketter, Els.
  27. Stephan Gödman, Wo11enweber, Frau Els. 2 Töchter: Ketter und Els, sie dient im Dorf (s. oben unter 4).
  28. Hans Horch, Bäcker, Frau Els. 2 Söhne: Jörg, Hans.
  29. Wendels Appel(onia), Witwe, Tochter: Maria, deren Gatte Hans Thür sich in Baumholder aufhält, ihre Tochter Barbel (Fußnote dazu: Sie leben getrennt, und sie ist ihrem Mann weggelaufen).
  30. Schuhmachers Cetter, Witwe, 1 Sohn, 2 Töchter: Johannes, Els, Maria.
  31. Kremer Maria, eine Krämerswitwe. Magd: Margret von Ellweiler.
  32. Henrich Buch, Schafhirt, Frau Els, das Weib ist Magd.
  33. Hans Buch, Kuhhirte, Frau Eva, 2 Töchter: Els, Engel.
  34. Clos Keiser, Schafhirte, Frau Agnes.
  35. Martinus Hoffius, aus Kusel, Pfarrer, seine Frau Anna, Sohn Johannes, Töchter Christina und Anna Margreta, des Pfarrers Mutter Margreta, eine Witwe, Mägde: Sophia und Elisabetha.“

Im Gegensatz zu den unter 1 – 34 aufgeführten Einwohnern waren die Angaben zur Familie des Pfarrers in lateinischer Sprache eingetragen.

Zur Person des Pfarrers Hoffius bemerkt Professor Macco, daß dieser eine „höchst bemerkenswerte Liste der Zuständigkeiten des Pfarreidienstes von Wolfersweiler, anno 1609“ geschrieben habe, welche sich auf einen Vorgang aus dem Jahre 1586 des Kirchenschaffners und Kellers Johann Wernichius und Michel Richter von Nohfelden bezieht. Dieser enthält folgende Bemerkung: „Wenn das Hochzeitsaufgebot in der Kirche verlesen wird, müssen 6 Albus je Ausrufung an den Geistlichen gezahlt
werden. Wenn eine Hochzeit stattfindet und das Paar getraut ist, schuldet es dem Geistlichen eine Mahlzeit, Fleisch und Braten im Wert von 6 Albus, weiterhin 1/4 Wein und 4 Laib Brot, wie sie für das Hochzeitsfrühstück gebacken werden. Der G1öckner muß alles für den Geistlichen anfordern und einsammeln. Wenn ein Kind getauft wird, lädt die Familie gewöhnlich den Geistlichen ein und beköstigt ihn.“ Eine genaue Aufstellung über das jährliche Einkommen aus Wald, Acker, Land, Holz, Vieh usw., weiter
ein Bericht über den im Jahre 1600 beim Pfarrhaus erbauten Brunnen, beschließt die Aufstellung. Von Pfarrer Hoffius stammt das Buch „Gravamina“ (wörtlich: Mit schwerer Miene, frei übersetzt: „In ernster Sorge“). Darin übt er harte Kritik an Sitten und Gebräuchen der Jugend, die sie zur Sonnenwende, am Tage Philippi Jacobi und an Pfingsten betreiben. Er rügt auch den Henrich, Schäfer von Wolfersweiler, den Scherhans von Gimbweiler und Alexander, den Schinder von Walhausen,
„hinter denen man sehr her ist und welche verdächtigt werden, Wahrsagerei und Zauberei zu betreiben“.

Der 30jährige Krieg (1618 – 1648) verheerte das Land, brachte Truppendurchzüge und Brandschatzungen; 40 Jahre später brannten Dörfer und Städte, als die Truppen Ludwigs XIV. unter General Melac in der Pfalz und dem Rheinland einen breiten Streifen „wüsten Landes“ vor die französische Grenze legten. Der spanische Erbfolgekrieg (1701 – 1714) brachte ständig Durchzüge fremder Truppen. Alle diese Ereignisse blieben nicht ohne Folgen für das Dorf. Das Einwohnerverzeichnis aus der „Wolffersweiler
Gemeine Rechnung vom Jahre 1748“ zeigt überwiegend neue Familiennamen gegenüber dem Verzeichnis von 1609.

„Specification der zu Wolfersweiler befindlichen Gemeindsleuthe und Hindersaßen“:

Gemeindsleuth (28): Frantz Weber, Johannes Geiß, Nickel Geiß, Peter Peeß, Michael Schweichen Wittib, Christian Weyder, Nickel Becker, Wendel Bruch, Valentin Kohl, Valentin Zimmer, Jacob Lauer, Michael Küntzer, Wendel Stephan, Johann Georg Geiß, Michael Saaren Wittib, Michael Nawinger, Jacob Baum der älter, Jacob Luder, Johannes Kohl, Jacob Theoba1d Wittib, Conrath Preßer, Michael Küntzer der Müller, Jacob Baum der Schmitt, Friderich Jung, Michel Seybert, Johannes Schweich, Jacob Baum der Wagner
und Adam Alten Wittib.

Hintersassen (6): Jonas Strack, Georg Otto Näher, Matheiß Näher, Jacob Näher, Friderich Euler, Wendel Pritzius.

„Gemeinsleuth“ waren die Vollbürger, während die „Hintersassen“ wohl Haus, Garten und einzelne Felder im Eigentum haben konnten, jedoch kein Bauerngut besaßen. In Angelegenheiten des Gemeinwesens hatten sie kein Stimmrecht.

Ein Vergleich der Familiennamen in den Verzeichnissen von 1609 und 1748 zeigt, daß bei fast übereinstimmender Häuser- und Einwohnerzahl sich lediglich die Namen „Luder, Lauer, Becker und Köl = Kohl“ über einen Zeitraum von 139 Jahren gehalten haben. Im Gegensatz dazu ist 1975, 227 Jahre nach der Erstellung des Einwohnernachweises in der Gemeinderechnung von 1748, noch der überwiegende Teil der Namen in Wolfersweiler vertreten, obwohl zwei Weltkriege zum Erlöschen mancher Namenslinien
beitrugen.

Zur Entwicklung der Einwohnerzahlen: 1748 mag die Zahl nur wenig über der von 1609 (= 200) gelegen haben. Im Staatsarchiv Speyer finden sich statistische Angaben über das Amt Nohfelden im Jahre 1797. Für Wolfersweiler werden 35 „ganze Haushaltungen“ mit 100 Familien ausgewiesen (zum Vergleich die Angaben für Nohfelden: 20 ganze Haushaltungen mit 64 Familien). Im 19. Jahrhundert steigen die Zahlen sprunghaft: 1815 werden 507 Einwohner gezählt; 1832 steigt die Zahl auf 624, 1845 auf
787 Einwohner. Nach dem ersten Weltkrieg wohnen 845 Personen in Wolfersweiler; 1949 sind es 1024, während die Fortschreibung 1974 1226 Einwohner ausweist.

Quellen:

Publications of The Genealogical Society of Pennsylvania, Special Number 1930 Wolffersweiler Gemeine Rechnung von 1748 (im Gemeindearchiv Wolfersweiler) Einwohnerzahlen: Prof. Baldes, Geschichtliche Heimatkunde der Birkenfelder Landschaft, 1923