Der Gefangene von Schloss Nohfelden


VON E. L. SEIBERT 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das Herzogtum   Pfalz-Zweibrücken von Herzog Ludwig regiert. Sein ältester Sohn, Pfalzgraf   Kaspar, sollte dereinst das Erbe antreten. Er zeigte allerdings schon in seiner   Jugend allerlei schlechte Eigenschaften. Er war unruhig, eigensinnig, seinem   Vater ungehorsam und dazu von beschränktem Verstand, so daß schon frühzeitig zu   erkennen war, daß ihm ein großer Teil der Fähigkeiten zur Regierung abging.

Unter diesen Umständen war es verständlich, daß Herzog Ludwig für den Bestand   seines Herzogtums nach seinem Tode fürchtete und Vorsorge treffen wollte, daß   durch den Regierungsantritt des Pfalzgrafen Kaspar keine unvorgesehenen   Ereignisse eintreten konnten. Zu diesem Zweck verordnete er, daß ihm einer   seiner Brüder zur Seite gesetzt wurde, denn ganz konnte das Erstgeburtsrecht   nicht beseitigt werden. Zugleich gab er für den Fall, daß Pfalzgrat Kaspar   gänzlich unfähig zur Regierung sein sollte, seiner Witwe und den vier Räten die   Befugnis, zu entscheiden, welcher von den Brüdern allein zur Regierung   zuzulassen war.Nach der am l. Juli 1465 getroffenen Vereinbarung fand am 19. April 1479 die   Hochzeit des Pfalzgrafen Kaspar mit der Prinzessin Amalia von Brandenburg,   Tochter des Kurfürsten Albrecht Achilles, statt. In diesem Ehevertrag wurde dem   jungen Paare das Wittum, nämlich Bergzabern, Neukastei, Annweiler, der Hof   Herxheim, die Gemeinschaft Falkenburg, Hasloch, Uegeinheim und Bohel besitzlich   eingeräumt. Gleichzeitig wurde auch die Regierung über diesen Besitz   übertragen.Diese Probe ist schlecht ausgefallen, denn das schon in dem nämlichen Jahr   (1479) im Dezember errichtete Testament des Herzogs Ludwig gibt hierüber ein   klares Zeugnis. Prinzessin Amalia, nunmehrige Gemahlin des Pfalzgrafen Kaspar,   erkrankte, sie reiste 1481 nach Baden ins Wildbad und starb dort bald   darauf.Herzog Ludwig wollte hierauf das Wittum nebst der übergebenen Regierung   wieder an sich ziehen, aber sein Sohn Kaspar widersetzte sich mit allen Kräften,   bewaffnete auch die Bürger, um sich mit Gewalt seinen Besitz zu erhalten. Er   suchte, als er sich allein nicht halten konnte, bei der Kurpfalz Schutz und   unterstellte sich dem Kurfürsten Philipp. Hierbei muß noch erwähnt werden, daß   kurz vorher Pfalz-Zweibrücken und die Kurpfalz um den Besitz gewisser   Landesteile Krieg geführt hatten und Pfalz-Zweibrücken gewaltige Gebietseinbußen   zu verzeichnen hatte. Kaspar setzte sich also mit‘ dem Feind seines Vaters in   Verbindung, um der ihm drohenden Enteignung zu entgehen. Um diese Maßnahme zu   durchkreuzen, schenkte

Schloss Nohfelden

Kaspar in einer weitläufigen Verschreibung, d. d. Gennersheim, den 29.   Oktober 1481, dem Kurfürsten Philipp die zum Wittum seiner verstorbenen Gemahlin   bestimmt gewesenen Lande. Ja sogar für den Fall, wenn er sich wieder verheiraten   und Leibeserben erzielen würde, sollte doch der Kurfürst soviel bekommen, als   die geschriebenen Rechte erlauben, an andere zu vererben.

Herzog Ludwig bestand darauf, daß sich sein Sohn Kaspar ihm unterwerfen   sollte, doch hielt sich dieser von nun an zumeist an dem Hofe des Kurfürsten   Philipp auf, und der Streit zwischen Vater und Sohn ist nicht beigelegt worden.   Um schon zu seinen Lebzeiten einen Teil des Herzogtums vor dem Zugriff des   Pfalzgrafen Kaspar sicherzustellen, setzte Herzog Ludwig seinen Sohn Alexander   in den Besitz der Grafschaft Veldenz, doch mußte dieser in einer Urkunde vom 12.   März 1482 anerkennen, daß er bei Lebzeiten seiner Eltern nicht eigenmächtig   regieren würde. Nicht lange hernach wurde Alexander auch das Oberamt Zweibrücken   eingeräumt.Am 19. Juli 1489 starb Herzog Ludwig, und Kaspar schickte sich nun an, seine   Erstgeburtsrechte geltend zu machen. Doch war der Widerspruch gegen diesen   Erbantritt zu groß, und Kaspar mußte sich mit einem Kompromiß einverstanden   erklären, der unter Mitwirkung des Herzogs Johann von Simmern am 27. November   1489 zu Kreuznach zustande kam. Es wurde vereinbart, daß die Brüder Kaspar   undAlexander sich für die Zukunft vertragen und daß sie künftig die Regierung   gemeinschaftlich führen sollten. Bei dieser Gelegenheit vermittelte Herzog   Johann von Simmern auch den Vergleich zwischen dem Kurfürsten Philipp von   Kurpfalz einerseits und den Herzögen Kaspar und Alexander andererseits. Die   vorstehend angegebene Schenkungsurkunde des Pfalzgrafen vom 29. 10. 1481 wurde   aufgehoben, jedoch mußten die Herzöge Kaspar und Alexander anerkennen, daß die   Lande, die Kurfürst Friedrich von Kurpfalz ihrem Vater in den Kriegen abgenommen   hatte, auf ewig an Kurpfalz abgetreten werden sollten. Die Pfalz-Zweibrücker   hatten gehofft, daß sie die nunmehr abgetretenen Gebiete in Güte zurückerhalten   würden, aber durch die unüberlegte und unbefugte Schenkung Kaspars war nichts   mehr zu erreichen, und um den Hausfrieden herzustellen, mußten die   Pfalz-Zweibrücker in diesen Vertrag einwilligen.Die Regierungsgemeinschaft Kaspar — Alexander dauerte nicht länger als ein   Jahr. Innerhalb dieser Zeit erscheinen fast alle Urkunden bei der Zweibrücker   Kanzlei in Kaspars und Alexanders Namen, einige auch unter Kaspars Namen allein.   Er setzte sich also über die getroffenen Vereinbarungen hinweg und dekretierte,   wie schon vorher, eigenmächtig. Die Folge davon war, daß Kaspar zu Anfang des   Jahres 1491 ausgehoben und auf das Schloß Nohfelden in Sicherheit gebracht   wurde.Herzog Kaspar starb im Jahre 1527, nachdem er 36 Jahre im Turm des Schlosses   Nohfelden inhaftiert war. Die Akten über diesen Sterbefall sind noch vorhanden,   der eigentliche Sterbetag ist aber nicht vermerkt. Kaspar wurde in der Kirche zu   Wolfersweiler beigesetzt.

(Bearbeitet nach den Untersuchungen des pfalz-zweibrückischen Wirklichen   Geheimen Rats und Archivars Johann Henrich Bachmann 1784).